Die Seele im Raunen der Rauhnacht 10
- Harald Schneider

- 3. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Das große Loslassen

Von welken Blättern, inneren Schatzkammern und dem Mut, die Kontrolle dem Universum zu überlassen.
Die 10. Rauhnacht senkt sich über das Land wie ein schwerer, samtener Mantel. Das Licht der Kerzen scheint heute Abend einen rötlicheren Schein als sonst zu haben, fast so, als
ob das Feuer selbst wüsste, dass wir uns dem Kern der Transformation nähern. Es ist die Stimmung des Übergangs. Der Trubel der ersten Nächte ist verflogen, die Euphorie der Neujahrsvorsätze hat sich gesetzt. Jetzt, in dieser Nacht, die energetisch den Oktober widerspiegelt, wird es ernst, aber auf eine wunderbar erleichternde Weise. Es riecht nach feuchter Erde, nach altem Wissen und nach der süßen Melancholie des Abschieds. Die Natur zieht sich endgültig zurück, und wir spüren, das Außen verliert an Wichtigkeit, das Innen wird zur Festung – oder zum gemütlichen Kaminzimmer, je nachdem, wie viel wir bereit sind, auszumisten.
Hiase, Traudl und der Tanz der fallenden Masken
Nachdem der Hiase und die Traudl sich gestern an der Wegkreuzung in der kristallklaren Luft getroffen haben, sind ihre Seelen heute ein Stück weiter gewandert – hinauf zum alten Steinbruch, dort, wo die Ahnen früher ihre Feuer entzündet haben.
Der Hiase schaut skeptisch auf seine alten Lederhandschuhe. „Traudl“, brummt er, „i glaub, i häng de Handschuh an den Nagel. Ned, weil i nimmer konn, sondern weil’s Zeit is, de Finger frei zum haben für des, was jetzt kimmt.“
Die Traudl lacht leise, ihr Atem bildet kleine Wölkchen in der Nachtluft. „Hiase, du oida Sturkopf. Des is genau des, was de Geister uns heit sagen wollen. Schau da de Baam an. De jammern a ned um jedes Blattl, des am Boden liegt. De wissen ganz genau: Wenn’s des oide Zeigl ned loslassen, dann bricht eahna der Schnee im Winter die Äst’ ab.“

In der geistigen Welt passiert heute etwas Erstaunliches. Die Ahnen kommen nicht mehr, um uns zu mahnen, sondern um uns beim Auspacken zu helfen. Es ist, als würden sie uns die schweren Rucksäcke abnehmen, die wir das ganze Jahr über geschleppt haben – die Beleidigungen, die wir nicht vergessen konnten, die Schuldgefühle, die wie Wackersteine im Magen liegen, und den ewigen Drang, alles kontrollieren zu müssen.
Der Hiase setzt sich auf einen flachen Stein und zündet sich eine neue Pfeife an. Er merkt, wie die Anspannung der letzten Tage von ihm abfällt. Die Traudl stellt sich hinter ihn und legt ihm die Hände auf die Schultern. „Heit Nacht, Hiase, da lassen wir de Masken fallen. De, de wir für de Nachbarn tragen, und de, de wir uns selber vorm Spiegel aufsetzen.“
Ein Windstoß fegt über den Steinbruch, aber er ist nicht kalt – er fühlt sich an wie ein rituelles Reinigen. In diesem Moment verschmelzen die materielle und die spirituelle Welt. Das Rascheln der unsichtbaren Gewänder der Ahnen mischt sich mit dem Knistern des Schnees.
Loslassen ist kein Verlust, sondern die höchste Form der Freiheit. Nur mit leeren Händen kann man die Geschenke des Schicksals empfangen.
Das Thema der heutigen Rauhnacht:
Transformation & Ernte-Abschluss
Das Thema ist der Abschluss der Ernte – auf geistiger Ebene. Im Oktober ist im Garten alles eingebracht. Was jetzt noch draußen ist, erfriert oder verfault. Übertragen auf dein Leben bedeutet das: Welche Projekte, welche Beziehungen und welche Glaubenssätze sind „reif“? Und was hast du vielleicht den ganzen Sommer über ignoriert und darf jetzt endlich dem ewigen Kreislauf der Natur übergeben werden? Es geht um die Wandlung von der äußeren Fülle zur inneren Tiefe.
Praktische Impulse:
Die Inventur des Herzens
Nimm dir 10 Minuten Zeit und schreibe alles auf, was dich im letzten Jahr Energie gekostet hat, ohne dir Freude zu schenken. Sei ehrlich – auch wenn es wehtut.
Natur-Spaziergang (mental oder real)
Stell dir vor, du bist ein Baum im Oktober. Lass bei jedem Ausatmen ein symbolisches Blatt fallen. Jedes Blatt steht für eine Sorge. Spüre, wie du leichter wirst.
Digital Detox
Schalte heute für eine Stunde alle Geräte aus und spüre die Leere. Ertrage sie nicht nur, sondern genieße sie. In der Leere liegt die Kraft.
Humor-Check
Über welches Missgeschick des letzten Jahres kannst du heute endlich lachen? Wenn du über dich selbst lachst, verliert das Ego die Macht über dich.
Das Ritual der heutigen Rauhnacht:
Das Feuer des Wandels:
Schreibe auf kleine Zettel, was du im nächsten Jahr (speziell im Oktober) nicht mehr mit dir herumtragen willst.
1. Zünde eine feuerfeste Schale an (oder nutze deinen Kamin).
2. Übergib die Zettel einzeln dem Feuer.
3. Räuchere heute mit Beifuß oder Salbei. Diese Kräuter unterstützen den Abschied und
reinigen die Atmosphäre von schweren Energien.
4. Sprich dabei:
„Was war, das war. Was geht, das geht. I bin frei für des, was jetzt entsteht.“
Wie sieht deine Zwiebelschale für den heutigen Tag aus?
Stell dir dein Leben wie eine Zwiebel vor. Die heutige Schale ist die Oktober-Schale. Der Oktober ist die Zeit, in der die Säfte in die Wurzeln zurückkehren.
Der Zustand der Schale
Wenn du heute bewusst loslässt, wird deine Oktober-Schale 2026 fest und schützend sein. Sie wird dich im nächsten Herbst davor bewahren, in Melancholie oder Burnout zu versinken.
Die Auswirkung
Eine glatte, saubere Schale heute bedeutet, dass du im Oktober nächsten Jahres die Ruhe hast, deine Erfolge zu genießen. Ist die Schale heute jedoch „matschig“ oder voller alter Anhaftungen, wird der Oktober 2026 ein Monat der schmerzhaften (unfreiwilligen) Verluste. Also, lass heute freiwillig los, was nicht mehr zu dir gehört!
Das Gebet für die heutige Rauhnacht
„Große Kraft des Wandels, ich danke dir für die Fülle des Jahres.
Hilf mir jetzt, die Blätter meiner Vergangenheit fallen zu lassen.
Gib mir das Vertrauen eines Baumes, der weiß, dass der Frühling wiederkommt,
auch wenn er jetzt nackt im Wind steht. Segne meine Ernte und reinige mein Herz
von allem Groll. Ich bin bereit für die Stille. Amen.“
Deine Aufgaben für die 10. Rauhnacht:
Hier ist dein Fahrplan für den heutigen Tag:
1. Physisches Loslassen
Suche drei Gegenstände in deiner Wohnung, die dich an eine schwere Zeit erinnern oder die du einfach nicht mehr magst. Spende sie, verschenke sie oder wirf sie weg.
2. Vergebungs-Check
Wem musst du noch vergeben, um deine eigene Freiheit zurückzugewinnen? Es
muss kein persönliches Gespräch sein – ein inneres „Ich lass dich jetzt ziehen“
das reicht oft aus.
3. Vorsorge für den Herbst
Plane eine Sache für den Oktober 2026, die nur deiner Seele guttut (ein Rückzug,
ein Kurs, eine Wanderung).
4. Die Stille ehren
Zünde eine Kerze an und sitze 5 Minuten einfach nur da, ohne etwas zu tun.
Beobachte, wie die Gedanken wie Wolken vorbeiziehen.
„Nur wer den Mut hat, das Ufer zu verlassen und die alten Lasten über Bord zu werfen, wird im nächsten Oktober als Kapitän seines eigenen Lebens im Hafen der Ruhe ankommen!“
Morgen wird es noch ein Stück mystischer, wenn wir uns dem Ende der Rauhnächte nähern: „Die Seele im Raunen der Rauhnacht 11“ – Der Monat November. Wir tauchen ein in die Welt der Ahnen und die Kraft der Stille.

Möge dein Oktober 2026 so farbenfroh und friedlich sein wie ein goldener Herbsttag am Königssee!
Dein Wanderer zwischen den Welten,
Herzlich Harald🙏👣🎈🙏
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I bin vom Woid dahoam
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