Die Seele im Raunen der Rauhnacht 11
- Harald Schneider

- 4. Jan.
- 6 Min. Lesezeit
Das Flüstern der Ahnen

Von der Kraft der Stille, buckligen Verwandten im Geisterreich und dem Mut, die eigenen Wurzeln zu gießen.
Wenn der 4. Januar anbricht, verändert sich das Raunen der Rauhnächte erneut. Die Luft ist nicht mehr nur kalt; sie ist schwer von Bedeutung. Wir befinden uns in der 11. Rauhnacht, die energetisch den November diesen Jahres repräsentiert. Draußen im Bayerwald liegt der Nebel so tief, dass man meinen könnte, die Erde selbst ziehe den Kopf ein, um den Geschichten der Vergangenheit zu lauschen.
Es ist eine Stimmung der absoluten Einkehr. Das laute Knallen der Silvesterböller ist nun längst verhallt, und was bleibt, ist eine Stille, die fast schon in den Ohren wehtut. Es ist jedoch keine leere Stille. Wer genau hinhört, bemerkt, dass diese Stille „bevölkert“ ist. Es ist die Nacht, in der die Schleier zwischen den Welten zu hauchdünner Seide werden. Es riecht nach feuchtem Moos, altem Holz und dem fernen Duft von Kerzenwachs, das in kalten Kirchenfluren brennt. Wir treten heute in das Reich der Ahnen ein – und keine Sorge, das ist weniger gruselig, als es klingt, aber wesentlich spannender als jeder Fernsehkrimi.
Der Hiase und der Familienrat im Nebel
In dieser Nacht geschieht etwas Besonderes. Während die Körper vom Hiase und der Traudl tief und fest in ihren Betten schlummern lösen sich ihre Seelen sanft aus der irdischen Hülle. Es ist die Magie der 11. Nacht! Die Ahnen haben beschlossen, dass es an der Zeit ist, diese beiden Seelen noch ein Stück näher zusammenzuführen. In der Realität haben sie sich immer noch nicht gegenübergestanden, doch auf der geistigen Ebene sind sie heute Nacht wieder die Wanderer auf demselben Pfad.
Der Hiase und die Traudl sind heute Nacht noch ein Stück tiefer in den Wald hineingelaufen, dorthin, wo die alten Totenbretter am Wegrand stehen. Diese hölzernen Zeugen vergangener Leben ragen wie mahnende Finger aus dem Schnee. Der Hiase wirkt heute etwas unruhiger als sonst. Er nestelt an seinem geistigen Hut und schaut immer wieder über die Schulter in das silbrige Grau des Nebels.
„Traudl“, flüstert er, und seine Stimme klingt in dieser Traumwelt wie das Rascheln von trockenem Laub, „host des a g’hört? Des hat sich grod so ang’hört, als hätt’ mein Urgroßvater, der alte Grantler, hintern Baum g’spukt.“ Die Traudl lacht ihr helles, wissendes Lachen, das wie kleine Eiskristalle in der Luft klirrt. Sie weiß, dass ihre Seelen hier nur Gast sind, geführt von Kräften, die älter sind als der Wald selbst. „Hiase, reg di ned auf. Der Urgroßvoda will dir bloß sagen, dass du dei Pfeif’n schief hältst. Unsere Ahnen san heit Nacht ned da, um uns Angst zum macha. Die schauen bloß nach dem Rechten, ob wir aus eanane (ihren) Fehler was g’lernt haben.“
Sie setzen sich auf eine morsche Holzbank vor einer kleinen, wettergegerbten Kapelle. Die Stille um sie herum ist so dicht, dass sie ihre eigenen Herzen im Schlaf klopfen hören – ein dumpfer, beruhigender Rhythmus, der sie mit der Erde verbindet. Plötzlich verändert sich das Licht. Es ist kein Mondschein, sondern ein sanftes, silbriges Glimmern, das direkt aus dem Boden aufzusteigen scheint.
„Schau hin, Hiase“, sagt Traudl leise und deutet auf den Boden. „Des san de Wurzeln. Ned bloß von de Baam. Des san unsere Wurzeln. Jedes Glimmern is a Seele, die vor dir da war und zu uns g’hört. Die haben g’ackert, g’liebt, g’stritten und san g’storben, damit du heit da sitzen kannst und dei Pfeif’n schmauchen darfst.“ Der Hiase wird ganz still. Er schließt die Augen seiner Seelengestalt und plötzlich spürt er es. Da ist kein Gruseln mehr, keine Furcht vor dem Unbekannten. Stattdessen breitet sich eine unglaubliche Wärme in seinem Rücken aus. Es fühlt sich an, als stünde eine ganze Armee von Vätern, Müttern, Schmieden, Bauern und Kräuterweibern hinter ihm, die ihm sanft, aber bestimmt die Hände auf die Schultern legen. Er spürt die Schwielen ihrer Hände, die Kraft ihrer Entschlossenheit und die Liebe, die über Generationen weitergegeben wurde.

„Wisst’s“, murmelt der Hiase in die Dunkelheit hinein, während er spürt, wie die Ahnen ihn und Traudl im Kreis umschließen, „i hab immer g’meint, i bin allein, wenn’s hart auf hart geht. Aber wenn de wirklich alle hinter mir stehen, dann is des ja eigentlich a mordsmäßige Kraft. Da kann ja gar nix schiefgeh’n.“
Ein leichter Windstoß weht durch die Tannen, und es klingt fast wie ein kollektives, zustimmendes Murmeln von hunderten Stimmen aus längst vergangenen Zeiten. In dieser Nacht am Steinbruch verschmelzen die Generationen. Der Hiase erkennt mit einem Mal, dass er nicht nur der Hiase, der Waldarbeiter ist, sondern die Summe aller Geschichten, die vor ihm geschrieben wurden. Und die Traudl? Sie lächelt, denn sie weiß, die Ahnen haben heute den Grundstein für etwas gelegt, das bald auch in der wachen Realität Gestalt annehmen wird.
Du bist das Ergebnis von tausend Lieben. Deine Ahnen sind keine Geister, die dich verfolgen, sondern Wurzeln, die dich halten. Wenn du dich einsam fühlst, erinnere dich an diese "Armee" in deinem Rücken.
Die Kraft der Ahnen
Heute geht es um die Verbindung zu unseren Ursprüngen. Im November feiern wir Allerseelen und Totensonntag. Es ist die Zeit der Besinnung auf das, was uns trägt. Wir fragen uns heute: Welche Gaben habe ich von meinen Vorfahren erhalten? Welches „Päckchen“ trage ich noch, das eigentlich gar nicht meines ist? Und wie kann ich die Stille nutzen, um die Weisheit zu hören, die in meinem Blut fließt?
Praktische Impulse:
Der Ahnen-Altar
Stell heute ein Foto deiner Großeltern oder eines geliebten Verstorbenen auf.
Zünde eine Kerze an und stell ein Glas Wasser (oder ein Stamperl Enzian, wenn’s
der Opa mochte) dazu. Sag einfach mal „Danke“.
Die Stille-Übung
Setz dich für 15 Minuten in einen dunklen Raum. Versuche nicht zu denken, sondern nur zu fühlen, wer „hinter“ dir steht. Spüre die Präsenz deiner Linie.
Stammbaum-Check
Überlege dir drei positive Eigenschaften, die du von deinen Eltern oder Großeltern hast. Schreib sie auf und feiere sie heute als dein Erbe.
Das „Erbe“ aussortieren
Gibt es ein Verhaltensmuster in deiner Familie (z.B. „Wir müssen immer hart arbeiten“), das du heute symbolisch zurückgeben möchtest? Sag laut:
„Ich ehre euch, aber diesen Schuh ziehe ich mir nicht mehr an.“
Das Ritual der heutigen Rauhnacht
Die Segnung der Linie:
Benutze heute Myrrhe oder Beifuß. Myrrhe steht für die Verbindung zum Jenseits und für Heilung.
1. Räuchere deine Wohnung, besonders die Ecken, in denen sich die Energie „festsetzt“.
2. Gehe im Geist deine Ahnenreihe zurück (Mutter, Vater, vier Großeltern, acht
Urgroßeltern...).
3. Visualisiere ein goldenes Licht, das von dir aus rückwärts durch alle Generationen
fließt.
4. Verbrenne einen kleinen Zettel mit der Aufschrift:
„Frieden in meiner Linie – ist Kraft in meinem Leben.“
Wie sieht deine Zwiebelschale für den heutigen Tag aus?
Die heutige 11. Rauhnacht steht stellvertretend für den November diesen Jahres.
Stell dir dein Leben wie eine Zwiebel vor. Die heutige Schale ist die November-Schale. Der November ist der Monat der tiefsten Verinnerlichung.
Der Zustand der Schale
Wenn du heute die Verbindung zu deinen Wurzeln klärst, wird deine November-Schale 2026 dick, schützend und voller Energie sein. Du wirst im nächsten Herbst nicht in das typische „Novemberloch“ fallen, sondern eine tiefe innere Ruhe verspüren.
Die Auswirkung
Eine glatte, stabile Schale heute sorgt dafür, dass du im November nächsten Jahres die Kraft hast, anderen Halt zu geben. Wenn die Schale heute rissig ist, weil du dich vor der Stille oder deiner Herkunft drückst, wird der November 2026 eine Zeit der Unsicherheit und Melancholie. Also: Gib deinen Wurzeln heute Wasser, damit die Schale glänzt!
Das Gebet für die heutige Rauhnacht
„Ihr, die ihr vor mir wart, ich verneige mich vor eurem Leben, eurem Leid und eurem Lachen.
Ich nehme die Kraft an, die ihr mir vererbt habt, und lasse los, was nicht mehr dienlich ist.
Segnet meinen Weg, so wie ich euer Andenken segne. Schenkt mir in der Stille des Novembers die Weisheit, mein eigenes Licht hell leuchten zu lassen. Ich bin der Spross einer starken Kette. Amen.“
Deine Aufgaben für die 11. Rauhnacht:
Hier sind deine Aufgaben für den heutigen Tag, gegliedert nach Körper, Geist und Seele:
I. Für den Körper
Iss heute etwas „Erdiges“: Kartoffeln, Rüben oder eine kräftige Suppe. Verbinde dich mit der Fruchtbarkeit des Bodens. Mache einen langsamen Spaziergang und spüre bei jedem Schritt ganz bewusst den Kontakt deiner Füße zum Boden.
II. Für den Geist
Schreibe einen Brief an einen Vorfahren (egal, ob du ihn kanntest oder nicht). Erzähle ihm von deinem Leben und was du von ihm bewunderst. Schweige heute ganz bewusst für eine Stunde. Beobachte, welche Gedanken auftauchen, wenn das Reden aufhört.
III. Für die Seele
Zünde ein Licht für die „vergessenen Ahnen“ an – für jene in deiner Linie, an die sich niemand mehr erinnert. Meditiere über den Satz:
„Ich bin die Antwort auf die Gebete meiner Vorfahren.“
„Wer seine Wurzeln ehrt, braucht den Sturm nicht zu fürchten – denn die Stille des Novembers ist nicht der Tod, sondern die geheime Werkstatt des neuen Lebens!“

Morgen erreichen wir das große Finale: „Die Seele im Raunen der Rauhnacht 12“ – Der Monat Dezember. Wir bündeln alle Kräfte der vergangenen Nächte und bereiten uns auf die Ankunft des Lichts vor. Es wird feierlich, magisch und für einen Waldbuben sogar ein bisserl emotional!
Möge dein November 2026 so tiefgründig und geborgen sein wie eine warme Stube bei prasselndem Kaminfeuer. Ehre deine Wurzeln, damit deine Krone in den Himmel wachsen kann!
Dein Wanderer zwischen den Welten,
Herzlich Harald🙏👣🎈🙏
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I bin vom Woid dahoam
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