Die Seele im Raunen der Rauhnacht 6
- Harald Schneider

- 30. Dez. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Das Echo der Mitte – Bereinigung und die Kraft der Vergebung

Der Stillstand vor dem Umbruch
Wir haben die Halbzeit erreicht. Hinter uns liegen fünf Nächte, in denen die Geister tief flogen und die Träume schwer waren. Doch in dieser sechsten Nacht, vom 30. auf den 31. Dezember, verändert sich das Flüstern. Das „Raunen“, das in der letzten Nacht noch von außen kam – getragen von den Stimmen der Freunde und der Ahnen – wandert nun nach innen.
Es ist der Schwellentag vor Silvester. Während draußen die Welt bereits die Sektkorken lockert und das Feuerwerk sortiert, herrscht in der Rauhnacht-Sphäre ein seltsamer Stillstand. Es ist die Ruhe im Auge des Sturms. Heute geht es nicht mehr um das „Wir“, sondern um das nackte, ehrliche „Ich“.
Der Hiase und der Spiegel der Waldquelle
Der Hiase stapft durch den tief verschneiten Woid. Sein Atem bildet weiße Wolken, und das Knirschen unter seinen Stiefeln ist das einzige Geräusch in der erstarrten Natur. Er ist auf dem Weg zu einer ganz besonderen Stelle, einer verborgenen Quelle, von der man sagt, dass sie selbst im härtesten Winter niemals ganz zufriert.
In der geistigen Welt korrespondiert diese Nacht mit dem Juni. Und so geschieht es, als Hiase die Quelle erreicht, bricht für einen Moment die Zeit auf. Das fahle Winterlicht verwandelt sich im Spiegelbild des Wassers in das gleißende Gold der Sommersonnenwende. Alles ist plötzlich sichtbar. Kein Schatten kann sich mehr verstecken.
An der Stelle, wo das Wasser über die Steine tanzt, sieht Hiase ein Bild. Es ist klarer als je zuvor. Er sieht die Traudl, die er ja noch gar nicht kennt, dieses Mal ohne "Baucherl" und er sieht den Ort, an dem er sie treffen wird. Normalerweise wäre der Hiase jetzt aufgesprungen, hätte laut geschrien und geflucht, "Wos soi des? Spinnst etza komplett? "Lass mich in Rua mit deim Schmarrn" oder vielleicht hätte er ja sogar gejubelt, und vor
lauter Tatendrang und Freude sogar die nächste eisige Fichte umarmt – wild und roh, so
wie es halt seine Natur ist.
Doch diesmal bleibt er still. Er begreift. Er wird zahm vor Ehrfurcht. Er versteht, dass die geistige Welt ihm nicht nur ein Ziel zeigt, sondern auch Bedingung stellt. Um die "Traudl" – und sein Glück – wirklich empfangen zu können, muss er Platz schaffen in seinem Leben. Er versteht plötzlich, dass er die alten Geschichten, den Groll und die „harten Brocken“ in seinem Herzen loslassen und frei für das Neue werden muss. Denn, wer die Hände voll mit altem Zeug hat, der kann nicht nach dem Neuen greifen.
Ein kleiner Exkurs:
Was ist ZEN und was hat es mit einem Rucksack zu tun?

Vielleicht fragst du lieber Leser dich jetzt, was der bayerische Hiase mit fernöstlicher Philosophie am Hut hat? Mehr, als man denkt.
Denn es gibt eine berühmte Zen-Geschichte, die genau das beschreibt, was der Hiase gerade an der Quelle lernt:
Zwei Mönche, Tanzan und Ekido, wanderten einst auf einem schlammigen Weg. Da trafen sie an einer Furt ein wunderschönes Mädchen in einem seidenen Gewand, das nicht über den Morast kam. Ohne zu zögern, hob Tanzan sie hoch und trug sie hinüber. Die Mönche wanderten schweigend weiter. Stunden später hielt es Ekido nicht mehr aus:
„Wir Mönche dürfen keine Frauen berühren! Warum hast du das getan?“
Tanzan sah ihn milde an und antwortete:
„Ich habe das Mädchen schon vor Stunden am Flussufer abgesetzt. Warum trägst du sie noch immer mit dir herum?“
Genau darum geht es heute. Wir tragen oft „Leichen“ im Rucksack unseres Geistes:
alte Beleidigungen, verpasste Chancen oder Menschen, die uns enttäuscht haben.
Zen bedeutet hier:
Setz den deinen jetzt Rucksack ab. Sei im Hier und Jetzt. Reinigung ist der Moment, in dem du entscheidest, die schlammige Last nicht mit ins neue Jahr zu schleppen.
Bereinigung & Harmonie
Die 6. Rauhnacht ist der „Großputz der Seele“. Im Juni steht die Sonne am höchsten, sie leuchtet in jeden Winkel.
Vergebung Wer triggert dich noch? Welcher Name lässt deinen Puls steigen?
Vergebung bedeutet nicht, dass du alles gutheißt, was passiert ist. Es
bedeutet, dass du die energetische Fessel löst, die dich an diesen Schmerz
bindet.
Balance Wie findest du das Gleichgewicht zwischen deinem inneren Licht und der
lauten Welt da draußen? Harmonie entsteht, wenn dein Innenraum
aufgeräumt ist.
Praktische Impulse für dich:
Wie bringst du diese Energie heute in dein Leben?

Das Ritual des Loslassens
Nimm dir einen Zettel. Schreib alles auf, was 2025 (oder in den Jahren davor) schiefgelaufen ist. Die Ängste, die dich blockieren. Die Enttäuschungen, die wie Blei wiegen. Dann verbrenne diesen Zettel in einer feuerfesten Schale.
Schau zu, wie der Rauch die Energie transformiert. Morgen, zum Jahreswechsel, startest du leer und empfänglich.
Räuchern
Heute ist die Zeit für Salbei (starke Reinigung) oder Beifuß (Schutz und Wärme). Gehe durch deine Räume und stell dir vor, wie der Rauch alles „Alte“ aus den Ecken fegt.
Hier ist eine kurze Erklärung für deine Leser, warum diese Kräuter jetzt genau richtig sind:
Warum diese Kraftpakete?
In den ersten fünf Nächten haben wir uns mit Ahnen, Träumen und Gefährten beschäftigt. Dabei wurde viel „Staub“ aufgewirbelt. Die 6. Nacht ist der spirituelle Großputz, bevor das neue Jahr das Haus betritt. Sanfte Düfte wie Lavendel oder Rose reichen heute nicht aus – wir brauchen Kräuter, die klären und schützen.
Salbei – Der radikale Klärer
Salbei wirkt wie ein energetisches Breitband-Antibiotikum. Sein Rauch neutralisiert alles. Er „frisst“ festsitzende negative Gedankenformen, alten Groll und die schweren Energien von Streitigkeiten oder Rückschlägen, die sich über das Jahr in den Zimmerecken (und in unseren Seelenwinkeln) festgesetzt haben. Er schafft die „weiße Leinwand“, die du für deine Neuausrichtung brauchst.
Beifuß – Der Schwellenhüter
Beifuß ist die Pflanze des Juni (der Monat, dem diese Nacht entspricht). Er ist das älteste Schutz- und Reinigungskraut unserer Heimat. Während Salbei reinigt, bereitet der Beifuß den Übergang vor. Er gibt uns die nötige Kraft und den Mut, das „Alte“ am Ufer zurückzulassen (wie der Hiase an der Quelle). Er wärmt die Seele und öffnet die Intuition für das, was in der Silvesternacht kommen will.
Kurz gesagt, wir nutzen diese starken Kräuter, um tabula rasa zu machen. Es geht nicht mehr um diplomatisches „Hineinfühlen“, sondern um eine klare Entscheidung:
Das hier bleibt draußen, damit ich morgen frei bin.
Ein kleiner Tipp vom Wanderer: Wenn du heute räucherst, öffne danach für einen Moment weit die Fenster. Stell dir vor, wie mit dem dichten Rauch alles Schwere der letzten Jahre buchstäblich aus der Wohnung – und aus deinem Leben – hinauszieht.
Die Frage vor der Nacht für den Traum
„Was bin ich bereit, heute endgültig am Flussufer abzusetzen, damit ich mit leichtem Gepäck über die Schwelle zum neuen Jahr treten kann?“
Deine Zwiebelschalen und der Juni
Stell dir deine Seele wie eine Zwiebel vor. In jeder Rauhnacht schälen wir eine Schicht ab. Heute lösen wir die sechste Schale – die Schicht der Selbsttäuschung. Wenn diese Schale fällt, wird der Kern deines Seins sichtbar.
Der Zustand deiner heutigen inneren Ordnung ist der Keim für deinen Juni im nächsten Jahr. Wenn du heute Frieden schließt, wird dein Sommer 2026 von einer Leichtigkeit geprägt sein, die du dir jetzt noch gar nicht vorstellen kannst.
Das Gebet für die heutige Rauhnacht

Kräfte des Lichts, Geister der Reinigung,
nehmt von mir, was nicht mehr zu mir gehört. Ich vergebe denen, die mich verletzt haben, und ich vergebe mir selbst für meine Fehler.
Reinigt mein Herz, klärt meinen Geist,
damit ich frei und aufrecht in das neue Jahr schreiten kann. Was war, ist vergangen. Was kommt, ist willkommen.
Amen."*
Deine Aufgaben für die 6. Rauhnacht
1. Aufräumen (Außen)
Begleiche eine kleine Schuld oder räume eine Schublade auf, die du schon ewig
ignorierst.
2. Vergebungs-Brief
Schreibe einen Brief an jemanden (oder dich selbst), dem du zürnst. Du musst ihn
nicht abschicken – verbrenne ihn einfach.
3. Stille
Verbringe 10 Minuten in absoluter Stille, ohne Handy, ohne Musik. Lausche dem
„Raunen“ in dir.
Der Leitsatz der Nacht:
"In der 6. Rauhnacht werfen wir das Licht des Sommers in die Schatten unserer Seele – wir vergeben, wir räumen auf und bereiten den Boden für das Wunder, das morgen erwacht."
Vorschau auf morgen:
In der 7. Rauhnacht überschreiten wir die Schwelle zum neuen Jahr. Es geht um den Monat Juli und die Kraft der Vision. Bereite dich vor, denn morgen rufen wir das Schicksal beim Namen!

Nimm an, was deine Seele dir heute alles zeigt – auch wenn es im ersten Moment wehtut, es ist der Schmerz der Heilung.
Dein Wanderer zwischen den Welten,
Herzlich, Harald 🙏👣🎈🙏
I bin vom Woid dahoam
sichere dir dein handsigniertes Exemplar und nimm an der Verlosung teil.






Kommentare