Die Seele im Raunen der Rauhnacht 8
- Harald Schneider

- 1. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Wenn die Ahnen zum Kaffee kommen

Der Neujahrstag liegt über dem Land wie eine schwere, flauschige Decke. Während die Welt da draußen noch den Kater auskuriert und die Überreste der Raketen aus den Vorgärten klaubt, herrscht in der geistigen Welt Hochbetrieb. Es ist die 8. Rauhnacht (vom 1. auf den 2. Januar). Der Lärm ist verflogen, die Luft ist rein – fast schon zu rein. Es ist diese ganz spezielle Stille des 1. Januars, in der man das Gefühl hat, die Zeit selbst würde kurz die Luft anhalten. Heute Nacht wird nicht mehr nur „geahnt“. Heute Nacht fließt die Realität in die Vision wie warmer Honig in den Tee.
Die Schauerin und der störrische Hiase
Erinnert ihr euch an die Traudl und ihr goldenes Sieb aus der letzten Nacht? Nun, die Klarheit hat ihren Preis. Wer klar sieht, sieht eben auch das, was er jahrelang erfolgreich ignoriert hat.
Traudl saß am Nachmittag des Neujahrstages in ihrer Küche. Die Kerze brannte noch, als sie plötzlich ein vertrautes Klappern. Und dann roch es plötzlich nach wildem Thymian und altem Schnupftabak. „Traudl, du hockst da wie a g’schossner Has’“, tönte eine Stimme, die so trocken war wie uraltes Tannenholz. Da stand sie am Küchentisch, ihre Ur-Großmutter, die „Schauerin“. Sie war zu Lebzeiten schon dafür bekannt, dass sie das Wetter im Urin und die Zukunft im Kaffeesatz sah. Jetzt war sie seit mehr als 25 Jahren tot, sah aber blendend aus – wenn man davon absieht, dass man durch sie hindurch das Muster der Küchenkredenz sehen konnte. „Ur-Oma?“, stammelte Traudl. „Bist du das?“ Die Schauerin lachte rauchig. „I bin de, de aufpasst, dass du dei Ernt’ ned verpasst, Mädl. Des Sieb gestern war scho guad, aber jetzt geht’s um de Wurscht. Schau her!“
Die Schauerin berührte die Fensterscheibe, und der winterliche Wald draußen verwandelte sich in Sekundenbruchteilen. Es war nicht mehr Januar. Es war «August». Die Hitze flirrte, das Getreide bog sich schwer unter der Last der Körner. Aber zwischen den goldenen Ähren schlichen dunkle Gestalten herum – kleine, neidische Kobolde der Selbstzweifel, die versuchten, die Halme umzuknicken. „August is Erntezeit, Traudl“, sagte die Schauerin streng. « Wer im Winter ned träumt, hat im Sommer nix im Sackerl. Du musst jetzt entscheiden, welche Früchte du großziehst».

Währenddessen, ein paar Hügel weiter, kämpfte der Hiase mit ganz anderen Problemen. Sein Einhorn-Traum von gestern ließ ihn nicht los. Er versuchte gerade, seine Stalltür zu reparieren, aber irgendwie schien das Holz heute weich wie Butter zu sein. Jedes Mal, wenn er fluchte – und der Hiase fluchte gern –, erschien ein kleiner, glitzernder Funke vor seiner Nase.
„Zefix nomoi!“, brüllte er. Ein besonders großer Funke kitzelte ihn an der Nase.
Der Hiase hielt inne. Er spürte, wie die Trennung zwischen „echt“ und „spinnert“ heute einfach nicht hielt. Er sah plötzlich seinen verstorbenen Onkel Alois auf dem Heuboden sitzen. Der Alois pfiff ein Liedchen und polierte eine unsichtbare Sense.
„Hiase“, sagte der Alois, «hör auf zum Fluchen. Fang an zum Feiern. De Geister san heit da zum Brotzeitmacha, und du schaugst drein, ois hättst an Essig g’suffa.»
Die Botschaft
Heute Nacht gibt es keine Grenze. Deine Ahnen sitzen mit am Tisch. Die geistige Welt will dir nicht Angst machen, sie will dir beim „Ernten“ helfen. Klarträume sind heute keine Einbildung, sondern Briefe aus deiner eigenen Zukunft.
August – Die Kraft der Ernte
Die 8. Rauhnacht korrespondiert mit dem «August». Im August zeigt sich, was die Arbeit des Frühlings wert war. Es ist der Monat der Fülle, der Reife, aber auch der harten Arbeit unter der sengenden Sonne. Spirituell geht es heute darum, die «Macht über das eigene Leben» zu übernehmen. Nicht mehr Opfer der Umstände sein, sondern der „Sensenmann“ oder die „Schnitterin“, die entscheidet. Das hier ist meine Frucht, und das hier ist Unkraut.
Träume einfangen
Da die heutige Nacht die Nacht der Visionen ist, bereiten wir uns darauf vor.
Das Traumbuch
Leg dir heute Nacht unbedingt Stift und Zettel direkt ans Bett. Die Botschaften im August-Monat kommen oft im ersten Moment des Erwachens.

Die Ahnen-Einladung
Stell heute Abend einen leeren Teller oder ein Glas Wasser extra auf den Tisch. Lade deine Ahnen (Großeltern, Eltern) ein, dir im Traum einen Rat für deine „Ernte“ im kommenden Jahr zu geben.
Wahrnehmungs-Check
Achte tagsüber auf „Glitch-Momente“. Ein Geruch, der nicht da sein sollte? Ein Lied im Radio, das eine alte Erinnerung weckt? Das ist die geistige Welt, die heute „hallo“ sagt.
Die Segnung der Früchte, wir nehmen uns ein Beispiel an der Schauerin.
1. Nimm drei Dinge aus deiner Küche, die für dich „Fülle“ symbolisieren (z.B. ein Apfel, ein paar Getreideflocken, eine Nuss).
2. Zünde eine Kerze an und halte deine Hände über diese Symbole.
3. Stell dir vor, wie die warme Augustsonne durch deine Hände in diese Dinge fließt.
4. Sprich:
„Ich erkenne meine Kraft. Ich bereite meine Ernte vor. Was ich heute im Geiste säe, wird im August meine Scheune füllen. Danke an meine Ahnen, die den Weg bereitet haben.“
5. Iss die Gaben bewusst auf – nimm die Kraft in dich auf.
Die Zwiebelschale - Die „Macht-Schale“
Wir schälen uns weiter zum Kern. Heute ziehen wir die Schicht ab, die wir die „Machtlosigkeits-Schale“nennen.
Der Zustand
Diese Schale fühlt sich oft ledrig und zäh an. Es sind die Sätze wie „Ich kann ja eh nichts ändern“ oder „Das Schicksal meint es nicht gut mit mir“ oder "ich bin nicht gut genug.
Die Auswirkung auf den August
Wenn du diese Schale heute nicht abwirfst, wirst du im Juli (Klarheit) zwar sehen, was du tun müsstest, aber im August fehlt dir dazu dann die Kraft, die Sense zu schwingen. Das Abziehen dieser Schale heute bedeutet, dass du im nächsten August nicht nur zusiehst, wie das Leben passiert, sondern dass du der Gestalter bist. Die Landebahn für deinen Erfolg wird jetzt betoniert.
Das Gebet für die 8. Rauhnacht
„Große Kraft, die durch alle Zeiten fließt, ich grüße meine Wurzeln. Ich danke meinen Ahnen für das Blut in meinen Venen und die Weisheit in meiner Seele. Heute Nacht öffne ich das Tor zu meinen Visionen. Lasst mich klar träumen, lasst mich groß denken. Ich bin bereit, die Verantwortung für meine Ernte zu tragen. Möge mein August 2026 von Fülle und Freude und Liebe gekrönt sein. Amen.“
Deine Aufgaben für die 8. Rauhnacht
Ahnen-Recherche
Schau dir heute ein altes Foto von deinen Großeltern oder Urgroßeltern an. Spüre die Verbindung. Welches Talent von ihnen trägst du in dir?
Klartraum-Vorbereitung
Bevor du einschläfst, sage dir dreimal laut: „Ich werde mich an meine Träume erinnern und ich erkenne, dass ich träume.“
Die August-Vision
Schreibe einen einzigen Satz auf, der beschreibt, wie dein Leben im August 2026 aussehen soll (z.B.: „Ich genieße den Erfolg meiner Arbeit in Frieden“).
„Du bist nicht nur der Träumer, du bist der Traum selbst – nimm heute Nacht die Zügel in die Hand und reite deinem eigenen Wunder entgegen!“
Vorschau auf morgen
Morgen betreten wir „Die Seele im Raunen der Rauhnacht 9“. Wir blicken auf den Monat «September». Nachdem wir heute die Ernte und die Kraft des Augusts gespürt haben, geht es morgen um die Wandlung und das Loslassen. Es wird Zeit, das Licht für die dunklere Jahreshälfte zu hüten.

Verabschiede dich von diesem Neujahrstag mit dem Wissen, dass du nie allein bist. Die Schauerin und der Onkel Alois schauen dir über die Schulter – also mach ihnen keine Schande und träum g’scheit!
Dein Wanderer zwischen den Welten,
Herzlich Harald 🙏👣🎈🙏
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I bin vom Woid dahoam
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