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Von den Sternen in die Stille des Alltags

Der Jahrestag der Stille


Dahoam - d'Welt 2021
Dahoam - d'Welt 2021

Es ist der 27. April 2026. Vor genau fünf Jahren stand ich am Friedhof in Hinterschmiding. Es war der Geburtstag meines verstorbenen Vaters – ein Datum, das schwer in der Luft lag, aufgeladen mit Abschied und Aufbruch zugleich. Die Welt um mich herum war in eine unheimliche Starre gefallen. Die Pandemie hatte Bayern fest im Griff; Tourismus war ein Fremdwort, die Gasthäuser verriegelt, die Straßen wie leergefegt.

Ich erinnere mich an das Geräusch meiner eigenen Schritte auf dem Asphalt, das einzige Echo in einer schlafenden Landschaft. Mitten in dieser kollektiven Angst bin ich losgelaufen. Nur ich, mein Rucksack und dieser unbändige Drang, der Enge zu entfliehen. Es war eine Reise in die Ungewissheit, grobe Richtung Santiago de Compostela, über 3000 Kilometer weit weg. Damals fühlte sich die Leere auf den Wegen nicht einsam an, sondern wie eine Einladung. Es war eine Zeit, in der die Welt stillhielt, damit ich meine innere Ruhe finden konnte. Jeder Kilometer war ein Sieg über die Umstände, jede Blase an den Füßen ein Beweis dafür, dass ich noch am Leben war.

Menschenleer, Freyung am 27.04.2021
Menschenleer, Freyung am 27.04.2021

Wenn Buchstaben das Leben regieren


Heute, fünf Jahre später, stehe ich wieder an einer Grenze. Doch diesmal gibt es keinen Grenzstein und keinen gelben Pfeil, der mir den Weg weist. Heute heißen meine Gegner ME/CFS, LC und Fatigue. Komische Buchstabenkombinationen, die sich wie bleierne Ketten um meinen Alltag gelegt haben.

Früher waren es viele Kilometer am Tag, heute ist der Weg zum Briefkasten manchmal ein Hochgebirgspass. Der Kopf fühlt sich an, als stecke er in dicker, grauer Watte. Die Nase ist voll mit „Batz“, der Atem geht schwer, und das, was früher selbstverständlich war – das Schreiben, das Denken, das Machen – ist zu einer täglichen Verhandlung mit dem eigenen Körper geworden. Manchmal überkommt mich das Gefühl, dass das Jahr 2021 leichter war. Damals wusste ich wenigstens, dass jeder Schritt mich näher ans Ziel bringt. Heute ist das Ziel „das normale Leben“, und dieser Weg hat keine Markierungen. Es gibt keine Herbergen, in denen man sich ausruhen kann, und überhaupt keine Mitpilger, die einem auf die Schulter klopfen. Man ist oft allein mit diesen Buchstaben, die versuchen, die eigene Identität zu stehlen.


Allein auf weiter Flur
Allein auf weiter Flur

Der Krieg im Körper und die Sehnsucht nach Substanz


Ich beobachte die Welt und sehe oft eine Spiegelung meines eigenen Zustands. Wir leben in einer Zeit der Zerrissenheit. Überall spüren wir die Nachwehen von Krisen, wir sehen Unruhen und einen Mangel an echtem Frieden – nicht nur in den Nachrichten, sondern auch in unseren Seelen.

Mein eigener Körper führt gerade einen Krieg, den ich vermeintlich nicht bestellt habe. Aber ich weigere mich, die weiße Fahne zu hissen. Mein Antrieb, mein Ding zu machen, ist ungebrochen. Diese tiefe bayerische Wurzel in mir, der europäische Geist, der nach Freiheit und Liebe dürstet – das lässt sich nicht durch eine Diagnose löschen. Wir müssen den Krieg aus unseren Körpern und unseren Seelen kriegen. Wir müssen zurück zu dem, was Europa eigentlich ist: ein Kontinent der Vielfalt, der tollen Menschen und Kulturen, ein Ort der regionalen Freiheit. Mein Buch und meine Arbeit sind mein Beweis dafür, dass die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist. Auch wenn ich gerade langsamer gehe, ich gehe noch, ich mache den nächsten Schritt, ganz bestimmt.


Heidis Zauberhand


Und dann gibt es diese Momente, in denen das Universum antwortet. Wenn die Kraft scheinbar verloren ist, kommt sie manchmal durch die kleinsten Gesten zurück. Vor ein paar Tagen erreichte mich eine Nachricht von Heidi.

Ihre Worte waren wie ein Lichtblitz in meinem „Watte-Kopf“.


Sie hat mich an das erinnert, was ich oft selbst vergesse: Dass meine Geschichte, mein Weg und meine Worte für andere ein Anker sind. Heidis Bewertung war mehr als nur Lob; es war eine energetische Aufrichtung. In diesem Moment ist der Batz in meiner Nase nebensächlich geworden. Die Watte wurde für einen Augenblick abgehoben, und ich konnte wieder frei atmen. Es ist diese menschliche Resonanz, die uns heilt. Wir sind nicht nur Patienten oder Nummern in einem System – wir sind Wanderer, die sich gegenseitig stützen, wenn einer strauchelt. Danke, Heidi, du hast mir gezeigt, dass der nächste Schritt sich lohnt, auch wenn er unsichtbar bleibt.


Das alchemistische Werk der Seele


Fünf Jahre sind vergangen, seit ich damals in Hinterschmiding aufgebrochen bin. Die äußere Reise ist beendet, die innere ist in ihrer intensivsten Phase. Ich lerne gerade, dass Stillstand nicht Rückschritt bedeutet, sondern eine andere Form des Gehens ist. Es geht um die Nachfolge im Geist, um das Annehmen dessen, was ist, ohne die Hoffnung auf das, was sein kann, zu verlieren.


Jeder Schritt auf dem Sternenweg ist ein gelebtes Gebet. Wir atmen inmitten eines spirituellen Vermächtnisses ganzer Epochen und bewegen uns auf der Aorta des Glaubens, in der Millionen Seelen ihre unlöschbare Signatur hinterlassen haben. Es ist das alchemistische Werk der Seele, die schwere Endlichkeit unseres Fleisches so lange am unnachgiebigen Schliff der Realität zu prüfen, bis der Widerstand der Materie bricht, sich der unendlichen Weite Gottes übereignet und in Ihm Ruhe findet.

Ich mache weiter. Schritt für Schritt. In das normale Leben, in die Freiheit, in die Liebe.


Ist hier jemand?
Ist hier jemand?

Dein Wanderer zwischen den Welten


Herzlich Harald🙏👣🎈🙏


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