top of page

Woid-Rauhnächte 1

Aktualisiert: 27. Dez. 2025

Wenn die Zeit den Atem anhält


Bräuche und Kulturen im Bayerischen Wald
Bräuche und Kulturen im Bayerischen Wald

Warum wir den Woid unseren Bezug zur Heimat und den Ahnen wieder spüren müssen

Dieses Projekt ist mehr als nur eine Sammlung alter Geschichten. Es ist ein Herzensanliegen. Ich habe auf meinen Wegen eines begriffen:


Die Kraft, die uns auf fernen Pilgerwegen trägt, entspringt derselben Quelle wie die alten Bräuche daheim im Woid.


In einer Welt, die immer schneller, digitaler und kühler wird, droht das Wissen unserer Vorfahren zu verblassen. Wir haben verlernt, auf das Knarren der Bäume zu hören, den Rauch des Beifußes zu deuten und die Stille der „douden Zeid“ auszuhalten. Doch gerade in diesen alten Riten, in den Sagen und im überlieferten Wissen unserer Kultur liegt eine tiefe Heilung.

Mit dieser Serie möchte ich die Bräuche und Sitten unserer Waldheimat wieder aufleben lassen. Nicht als staubiges Museumsgut, sondern als lebendige, spirituelle Werkzeuge für unsere heutige Zeit. Wir graben die alten Wurzeln aus, damit wir in der Zukunft wieder fester stehen können.

Begleite mich auf eine Reise durch die Nächte, in denen die Welt den Atem anhält. Erinnern wir uns gemeinsam daran, wer wir sind und woher wir kommen und wie schön es ist Kultur zu haben.


🌌 Das Echo der schwarzen Sonne - Eine wuide Gschicht vom Arber-Gipfel


Es war der 21. Dezember 2021. Ein Datum, das in den Chroniken der Waidler-Seelen fett markiert war. Während die Welt unten im Tal noch über Inzidenzen und Masken stritt, passierte am Großen Arber oben etwas, das kein Verstand greifen konnte. Der Hias, ein Holzknecht-Enkel mit einer Gabe, die er meistens mit zu viel Enzian zu betäuben versuchte, stand genau um 18:22 Uhr am Gipfelplateau. Es war die Zeit der Großen Konjunktion, der Moment, in dem Jupiter und Saturn sich so nah kamen, dass sie wie ein einziger, brennender Stern wirkten.


Aber im Woid war es anders. Hier war es nicht nur ein astronomisches Ereignis. Es war das Aufbrechen der „douden Zeid“.


Hias spürte es zuerst im Mark seiner Knochen. Ein Summen, so tief, dass die Fichten um ihn herum anfingen zu zittern, obwohl kein Wind ging. Plötzlich riss der Himmel nicht auf – er stülpte sich um. Das Schwarz des Weltalls schien wie Tinte in den Schnee zu laufen. Und dann sah er sie: die Wuidn Jaga. Aber es waren keine Skelette auf Pferden, wie es in den alten Sagen hieß. Es waren Lichtgestalten, gewaltig und archaisch, die aussahen, als bestünden sie aus Sternenstaub und altem Fichtenharz.


„Hias!“, dröhnte eine Stimme, die nicht aus der Luft, sondern direkt aus dem Granit unter seinen Füßen kam. „Die Zeit der Hardware ist vorbei. Jetzt kommt das G’fühl!“

Hias starrte auf seine Hände. Sie leuchteten blau, genau wie der Schnee um ihn herum. Er befand sich in einer Art energetischem Zeitraffer. Er sah den 21.12.2012 an sich vorbeiziehen – ein flackerndes Licht, das nur ein Weckruf war, ein sanftes Rütteln an der Schulter der Menschheit. Aber dieser 21.12.2021? Das war der Tritt in den Hintern.

Plötzlich war er nicht mehr allein. Gestalten aus der „douden Zeid“ der letzten tausend Jahre materialisierten sich im fahlen Licht. Er sah Druiden, die mit goldenen Sicheln Misteln schnitten, er sah Sklaven, die einst für das römische Silber in Hispania geblutet hatten und deren Seelen nun über den „Sternenweg“ zurück in den Woid gefunden hatten. Alles vermischte sich. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft tanzten einen wüsten Reigen um das Arber-Schutzhaus.


In der Nacht auf den 23. Dezember geschah das Verrückteste. Hias fand sich in einer Höhle unter dem Lusen wieder. Er war nicht mehr Hias, der Holzknecht. Er war die Energie des Woids selbst. Er spürte, wie der Beifuß-Rauch, den unten im Tal eine Kräuterfrau in ihre Pfanne warf, ihn wie ein Sog reinigte. Es war eine transaktionale Reinigung – aber nicht im römischen Sinne von „Geben und Nehmen“, sondern im Sinne von „Alles ist Eins“. Jedes Gebet, das in diesen Nächten gesprochen wurde, wirkte wie ein Akku, der den Woid für das kommende Jahr auflud.


Am 24. Dezember, kurz vor der Mette, wachte Hias neben dem Gipfelkreuz auf. Sein Bart war vereist, seine Kleider rochen nach Weihrauch und altem Moos. Er stieg hinab ins Dorf. Die Leute sahen ihn an und wichen zurück. Seine Augen leuchteten immer noch in diesem unheimlichen Blau der Großen Konjunktion.


Er ging in den Stall seines Nachbarn. Die Kühe standen da, ruhig und majestätisch. Um Punkt Mitternacht legte er sein Ohr an die Flanke der Leitkuh. Sie sprach nicht in Worten, wie es die Legende sagte.

Sie schickte ihm ein Bild:

Eine goldene Straße, die vom Bayerischen Wald direkt bis nach Santiago führte, gebaut aus den Tränen der Sklaven und dem Lachen der Pilger. „Hias“, raunte das Vieh energetisch, „der Weg unter deinen Füßen ist alt, aber dein Herz muss neu werden. Die doude Zeid ist nicht das Ende. Sie ist die Gebärmutter des Lichts.“

 

Hias verstand. Er nahm eine Handvoll Heu, segnete es mit einem uralten Zeichen, das er nie gelernt hatte, und wusste: Der Woid ist nicht nur Holz und Stein. Er ist ein lebendiges, spirituelles Kraftwerk, das in diesen vier Nächten die Welt neu träumt.

Und seit diesem Tag trinkt der Hias keinen Enzian mehr. Er braucht ihn nicht. Er hat die Sterne im Blut und den Woid im Atem.


🌑 Die Toten Nächte im Woid, wenn die Zeit den Atem anhält


Zwischen der Wintersonnenwende am 21.12. und der Heiligen Nacht liegt im Woid die    «Tote Zeit». Es sind die Tage des Stillstands. Das Rad der Natur hält inne, bevor es sich mühsam wieder Richtung Licht dreht.


Früher galt, wer jetzt arbeitet, fordert das Schicksal heraus. Keine Wäsche waschen (damit sich die Wilde Jagd nicht darin verfängt!), kein Streit, nur Stille.


Der energetische Wandel im Laufe der Zeit


21.12.2012 Der Weckruf


Das Ende des Maya-Kalenders. Die Aufgabe war damals: Erwachen. 

Die Menschheit sollte begreifen, dass es mehr gibt als Materie. Es war die Zeit der spirituellen Neugier, des Suchens und des ersten „Hinter-den-Schleier-Blickens“.


21.12.2021 Der Umbruch


Die Große Konjunktion im Luftelement. Die Aufgabe war: Entscheidung. Wir mussten wählen: Bleiben wir im alten System (Angst/Kontrolle) oder vertrauen wir auf die Intuition? Es war ein Jahr der Trennung und der Neuausrichtung.


21.12.2025 Die Verkörperung


Heute, im Jahr 2025, stehen wir an der Schwelle zur Manifestation. Es reicht nicht mehr, spirituell „bescheid zu wissen“ oder „gut zu fühlen“. Die geistige Welt fordert jetzt Ergebnisse in der physischen Welt.

 

🕯️ Tagebuch der Stille (21.12. – 24.12.)


21.12.                      Thomasnacht (Die längste Nacht)


Brauch Das „Glücksschwein“ füttern.


Ritual Zünde eine schwarze Kerze an, um das Alte zu verabschieden. Schreibe eine Last auf Papier und verbrenne sie.


Gebet «Was dunkel war, darf nun vergehn, im neuen Licht will ich bestehn»

 

22.12.                      Tag der Ahnen


Brauch Ein Gedeck mehr am Tisch für die „Armen Seelen“.


Ritual Stelle ein Glas Wasser und Brot ans Fenster. Grüße deine Vorfahren laut beim Namen.


Gebet                      „Wurzeln tief und Ahnen Kraft, helft mir durch die Winternacht.“* 

 

 

23.12. Die Vorbereitung


Brauch Das Haus mit Beifuß und Tanne auskehren.


Ritual Räuchere mit Wacholder, um die Ecken deines Heims von altem Groll zu reinigen.

Gebet „Rein ist der Raum, klar ist der Geist, Segen ist alles, was bei mir verweilt."


24.12. Die heilige Schwelle


Brauch Das Vieh im Stall belauschen (sie sollen um Mitternacht sprechen!).


Ritual Gehe schweigend in den Wald und lege einen Apfel auf einen Baumstumpf als Opfergabe für die Naturgeister.


Gebet „Stille Nacht, heiliger Ort, Liebe ist mein letztes Wort.“*

 


🌲 Die Stille vor dem Licht


In diesem ersten Teil unserer Reise durch die Rauhnächte haben wir die „doude Zeid“ betreten – jene vier mystischen Tage zwischen der Wintersonnenwende und dem Heiligen Abend. Wir haben gelernt, dass Stillstand kein Rückschritt ist, sondern die notwendige Gebärmutter für alles Neue.


Die Wurzeln


Wir haben die alten Bräuche der Thomasnacht und des Ahnenmahls entstaubt, um zu verstehen, dass wir niemals alleine gehen.


Der Wandel


Wir haben die energetische Brücke von 2012 über 2021 bis heute geschlagen und erkannt, dass 2025 das Jahr ist, in dem unsere „Wald-Spiritualität“ endlich Boden unter die Füße bekommen muss.


Die Reinigung


Durch Rituale des Loslassens und der Räucherung haben wir den Raum geklärt – in unseren Stuben und in unseren Herzen.


🕯️ Das Erbe der Glutwächter


Wenn wir heute in die dunklen Wälder unserer Heimat blicken, dann sehen wir nicht nur Bäume. Wir sehen die Zeugen einer Kultur, die Jahrtausende überdauert hat, weil sie eines wusste: Zusammenhalt ist unser wahrer Schutzwall. In einer Welt, die sich oft anfühlt wie eine unerbittliche römische Schotterpiste – gerade, hart und fremdbestimmt – ist unser Woid der heilige Umweg. Wir Waidler sind die Hüter einer besonderen Glut. Wir brauchen keinen Prunk; uns reicht das Wissen um unsere Ahnen, die diese Kälte vor uns bestanden haben, und das Vertrauen in den Beifuß-Rauch, der unsere Sorgen zum Himmel trägt.

Es geht in dieser Serie nicht nur um Tradition, es geht um das Gefühl von Heimat. Heimat ist kein Ort auf der Landkarte, sondern die Verbindung zu jenen, die vor uns durch diesen Tiefschnee gestapft sind. Wenn wir am 24. Dezember schweigend im Stall stehen oder unter den Sternen des Arbers verharren, dann spüren wir es wieder:


Diese unbändige Kraft, diese sture Herzlichkeit und diesen tiefen Frieden.


Manchmal muss das Licht im Außen erst ganz erlöschen, damit wir erkennen, wie hell es in uns brennt. Und in diesem Moment, wenn der Duft von Tanne und Weihrauch durch das Haus zieht, darf ein Lächeln über unser Gesicht huschen und wir dürfen mit tiefster Überzeugung sagen:

„Mei, is des schee, dass I a Waidler bin!“
Rauhnacht im Woid
Rauhnacht im Woid

Herzlich Harald🙏👣🎈🙏



I bin vom Woid dahoam

sichere dir dein handsigniertes Exemplar und nimm an der Verlosung teil.


 


 

 
 
 

Kommentare


Buch: I bin vom Woid dahoam

sichere dir dein Handsigniertes Exemplar und nimm an der Verlosung teil

  • Telegramm
  • Whatsapp
  • TikTok
bottom of page