Was bedeutet "Kommet zu mir" heute?
- Harald Schneider

- 19. Sept. 2025
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Okt. 2025
Die Last der modernen Welt.
Die Welt dreht sich schneller, als die meisten von uns mithalten können. Sie fordert uns auf, ständig produktiver, erreichbarer und erfolgreicher zu sein. In dieser beschleunigten Realität verliert der alte, biblische Satz "Kommet zu mir, alle die Ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe geben" scheinbar seine Bedeutung. Doch seine zeitlose Kraft ist heute relevanter denn je. In unserer Zeit könnte man ihn modern auslegen als:
„Kommt zu mir, alle die ihr in der lauten Hast der Welt das eigene Herz nicht mehr schlagen hört und euch von eurer Seele entfremdet habt.“

Stellen wir uns einen Mann vor, nennen wir ihn Hans. Hans war immer ein Leistungsträger, ein Zahnrad im Getriebe, das sich schnell drehte. Eines Tages wurde er krank – nicht nur physisch, sondern auch psychisch durch den immensen Druck. Die Welt drehte sich weiter, aber er konnte nicht mehr mithalten. Zunehmend wurde er von der Gesellschaft ausgespuckt und vergessen.
Er verlor seinen Job, seine Wohnung, schließlich schlitterte er in die Armut.
Die Last, die er trägt, ist nicht nur materieller Natur; sie ist die Last der Scham, der Isolation und des Gefühls, versagt zu haben.
Was kann diesem Mann heute Trost spenden?
Und welche Botschaft hätten Maria Magdalena und Jesus für ihn?
Das Gewicht der Müdigkeit: Eine Analyse der Moderne
Hans fühlt sich "müde und abgeschlagen". Das ist nicht nur körperliche Erschöpfung. Es ist die Müdigkeit der Seele, die aus chronischem Stress, dem Druck, ständig funktionieren zu müssen, und dem Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit resultiert. In der modernen Psychologie wird dies oft als Burnout-Syndrom oder existenzielle Erschöpfung beschrieben. Hans kämpft nicht nur gegen eine Krankheit an, sondern gegen die totale Entwertung seines Selbstwertgefühls. Er hat sich selbst verloren, weil der Wert eines Menschen in der Gesellschaft an seiner Leistung und seinem sozialen Status hängt.
Als er in die Armut abrutschte, wurde er unsichtbar. Die Gesellschaft, die nur materiellen Erfolg feiert, hat ihn vergessen. Er ist ein Geächteter, genau wie viele Menschen in biblischer Zeit. Doch die Botschaft von "Kommet zu mir" richtete sich gerade an diese Menschen: an die Ausgestoßenen, die Kranken, die, die keine Stimme hatten.
Die "Ruhe", die versprochen wird, ist keine materielle Sicherheit – sie ist ein tiefes, inneres Gefühl von Wert und Akzeptanz, das nicht von äußeren Umständen abhängt. Sie ist das Versprechen, dass man nicht allein ist, selbst wenn man sich so fühlt.
Die Botschaft Jesu: Liebe, die befreit!
Was würde Jesus diesem Mann heute raten? Seine Worte würden wahrscheinlich nicht in Phrasen wie "Streng dich mehr an!" oder "Finde einen besseren Job!" bestehen. Seine Botschaft wäre eine radikale Umkehrung der gängigen Logik. Jesus würde zu Hans sagen:
"Deine Ruhe liegt in dir, nicht in der Geschwindigkeit der Welt."
1. Die Priorität der Seele vor dem Besitz:
Jesus würde Hans daran erinnern, dass sein Wert nicht in seinem Vermögen oder seiner Leistungsfähigkeit liegt. Er würde ihn aufrufen, die Stille zu suchen, um die Stimme in sich selbst zu hören, die ihm sagt, dass er geliebt und wertvoll ist, einfach weil er existiert. Diese Botschaft widerspricht fundamental der kapitalistischen Logik, die den Wert eines Menschen an seinen materiellen Erfolg knüpft. Für Hans, der alles verloren hat, ist dies die einzige Botschaft, die ihn von der Scham befreien kann.
2. Radikale Vergebung – auch sich selbst gegenüber:
Die größte Last, die Hans trägt, ist die Schuld, die er sich selbst auferlegt hat. Jesus' Botschaft von Vergebung würde ihm raten, sich selbst zu vergeben, dass er "gescheitert" ist. Die Botschaft ist, die Last der inneren Anklage abzulegen und zu verstehen, dass die eigene Würde unantastbar ist.
3. Die Gemeinschaft der Ausgestoßenen:
Jesus würde Hans ermutigen, nicht die Gemeinschaft der Erfolgreichen zu suchen, die ihn vergessen hat, sondern die Gemeinschaft der "Beladenen". In dieser Gruppe, die aus ähnlichen Erfahrungen schöpft, kann er Unterstützung und Verständnis finden, ohne sich verstellen zu müssen. Die wahre Stärkung liegt im geteilten Schmerz und der gegenseitigen Akzeptanz.
Die Stimme Maria Magdalenas: Transformation und Heilung!
Maria Magdalena, eine Frau, die selbst Stigmatisierung und Verurteilung erfahren hat, würde Hans Situation mit tiefer Empathie verstehen. Ihre Botschaft wäre die der Transformation und des Neubeginns.
1. Dein Wert ist unveränderlich
Maria Magdalena würde Hans ins Gewissen reden, dass seine Vergangenheit – ob Krankheit, Verlust oder Armut – ihn nicht definieren muss. Ihre eigene Geschichte zeigt, dass man von der Gesellschaft als "Sünderin" abgestempelt werden kann und dennoch die zentrale Figur der Auferstehung und die Apostolin der Apostel sein wird. Sie würde ihn dazu ermutigen, die Etiketten, die die Gesellschaft ihm angehängt hat, abzulegen und seinen eigenen Weg zu gehen.
2. Mut zum Neuanfang
Als Zeugin der Auferstehung würde sie zu Hans sagen:
"Du kannst in jedem Moment deines Lebens neu beginnen."
Sie würde ihn daran erinnern, dass das Ende einer Lebensphase nicht das Ende seines Wertes bedeutet. Der Verlust seiner alten Identität ist eine schmerzhafte Erfahrung, aber er birgt auch die Möglichkeit, eine neue, authentischere Identität zu finden, die nicht auf Leistung oder materiellen Besitz beruht.
Wissenschaftliche Ansätze und die Suche nach Sinn
Hinweis:
Die folgenden Ausführungen integrieren Konzepte aus der Psychologie und Soziologie, dienen aber als konzeptionelle Veranschaulichung und enthalten keine realen, nachprüfbaren wissenschaftlichen Zitate.
Auch wenn die Botschaft von Jesus und Maria Magdalena zutiefst spirituell ist, finden ihre Prinzipien eine überraschende Resonanz in modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Resilienz
Was heisst Resilenz denn überhaupt?
"Resilienz" stammt vom lateinischen Wort "resilire" ab, was so viel bedeutet wie "zurückspringen" oder "abprallen".

Der Begriff beschreibt im Kern die psychische Widerstandsfähigkeit eines Menschen.
Es ist die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen, Krisen und Rückschläge nicht nur zu bewältigen, sondern gestärkt aus ihnen hervorzugehen, ohne daran zu zerbrechen.
Man kann sich das wie bei einem Stehaufmännchen oder einem Gummiball vorstellen:
Egal, wie oft es umgestoßen oder zusammengepresst wird,
es kehrt immer wieder in seine ursprüngliche Form zurück. Resilienz ist also keine feste Eigenschaft, sondern ein dynamischer Prozess, der erlernbar und trainierbar ist.
Der Begriff Resilenz wird in verschiedenen Bereichen verwendet:
Psychologie
Hier geht es um die Fähigkeit einer Person, sich von negativen Erlebnissen zu erholen und sich an neue, belastende Situationen anzupassen.
Physik/Materialkunde
Hier beschreibt Resilienz die Eigenschaft eines Materials, nach Verformung wieder in seine Ursprungsform zurückzukehren.
Soziologie/Ökonomie
Hier kann es die Widerstandsfähigkeit von Systemen oder Gesellschaften (z. B. einer Stadt oder Wirtschaft) gegenüber Krisen beschreiben.
Zusammenfassend sei gesagt Resilienz das "Immunsystem der Seele", das uns hilft, mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen und nicht den Mut zu verlieren.
Psychologische Studien zeigen, dass Menschen, die extreme Rückschläge überwinden, oft eine hohe Resilienz besitzen. Diese Resilienz basiert nicht auf materiellen Ressourcen, sondern auf der Fähigkeit, sich an veränderte Umstände anzupassen und einen inneren Kern von Hoffnung und Sinn zu bewahren. Das, was Jesus als "Ruhe" beschreibt, könnte als innere Resilienz interpretiert werden. Hans kann diese Resilienz stärken, indem er sich von äußeren Urteilen löst und seinen eigenen, inneren Wert wiederentdeckt.
Die Macht sozialer Unterstützung
Soziologische Forschungen belegen, dass ein starkes soziales Netzwerk einer der wichtigsten Faktoren für die körperliche und geistige Gesundheit ist. Hans Isolation ist die größte Bedrohung für sein Wohlbefinden. Der Rat, die Gemeinschaft der "Beladenen" zu suchen, spiegelt die wissenschaftliche Erkenntnis wider, dass soziale Verbundenheit und gegenseitige Unterstützung lebensrettend sein können.
Heilung durch Sinnhaftigkeit
Neurowissenschaftliche Forschungen legen nahe, dass die Suche nach und das Finden von Sinn im Leben das Gehirn neu verdrahten und die mentale Gesundheit positiv beeinflussen können. Hans, der seine Identität und seinen "Sinn" verloren hat, muss einen neuen Sinn finden – sei es in der Hilfe für andere, in kreativer Betätigung oder in der reinen Existenz.
Das, was Maria Magdalena als "Neuanfang" beschreibt, ist im Kern das Finden eines neuen, bedeutungsvollen Lebenszwecks. Was ihn stärkt, wenn die Gesellschaft ihn ausgespuckt hat, ist also eine kraftvolle Kombination aus spiritueller Akzeptanz und psychologischer Resilienz. Es ist die Erkenntnis, dass seine Würde von niemandem genommen werden kann und dass er eine Gemeinschaft finden kann, die ihn so annimmt, wie er ist.
Konklusion
Ein neuer Anfang, ein tieferer Sinn. Hans Geschichte ist ein schmerzhaftes Spiegelbild unserer modernen Welt. Er ist das Sinnbild für all jene, die unter dem Druck der Gesellschaft zusammenbrechen. Doch die Botschaft von Jesus und Maria Magdalena ist eine Botschaft der Hoffnung, die über materielle Realitäten hinausgeht. Sie lehrt uns, dass wahre Ruhe nicht in einem schnellen Leben, sondern in der Akzeptanz unserer eigenen Verletzlichkeit liegt. Wahre Stärke kommt nicht von außen, sondern aus einem tiefen, inneren Glauben an den eigenen, unveränderlichen Wert.
Die Rufe von Jesus und Maria Magdalena an die "Müden und Beladenen" sind heute kein Aufruf zur Passivität, sondern zur radikalen Neuorientierung. Sie rufen uns dazu auf, das Joch abzulegen, das wir uns selbst auferlegen, und die Last der gesellschaftlichen Erwartungen abzuwerfen. Sie ermutigen uns, uns selbst und anderen zu vergeben und einen neuen Sinn in unserem Leben zu finden – einen Sinn, der nicht durch Krankheit oder Armut zerstört werden kann.
Ein persönlicher Gedanke zur Heilung
Heilung jeglicher Art beginnt nicht in einem großen, magischen Moment. Sie beginnt mit einer winzigen Entscheidung, der Entscheidung, sich selbst Gnade zu gewähren, sich selbst zu verzeihen.
Es beginnt damit, sich morgens im Spiegel anzusehen und zu sagen: "Ich bin genug."
Es beginnt damit, einen einzelnen Schritt zu tun – vielleicht nur ein paar Meter zu gehen oder einen alten Freund anzurufen. Heilung beginnt, wenn man sich erlaubt, schwach zu sein und trotzdem stark zu fühlen.
Es beginnt, wenn man die Hand ausstreckt und die Botschaft der Liebe annimmt, die uns daran erinnert, dass wir, egal wie beladen wir sind, niemals allein sind.
Möge Dein Tag einen Augenblick des Lächelns für Dich bereithalten und dich daran erinnern, Du bist gut, genauso wie du bist.
Herzlich Harald🙏👣🎈🙏

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