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Sedna, wann endet der wilde Ritt?

Wenn das Metall in der Erde zu schmelzen beginnt


Die Erde reinigt sich
Die Erde reinigt sich

Es ist leicht geworden, in die Welt der Träume zu gehen. Zu leicht.

Vision jagt Vision, und die irreale Welt öffnet sich, als hätte jemand die Tür einen Spalt weiter aufgemacht. Manchmal denke ich, es sei einfacher, dort zu sein als hier. Hier, in der Hitze der realen Welt, die mittlerweile für jeden spürbar geworden ist.


In der Großstadt sind die Krankenwagen-Sirenen schon so normal, dass kaum noch jemand den Kopf hebt. Hier fällt einer um, dort hat jemand einen Schwächeanfall. Die Geräusche gehören zum Hintergrundrauschen. Ich sitze und „öle“ vor mich hin. Mein Körper hat einen völlig anderen Metabolismus als noch vor wenigen Monaten. Oft bin ich nachts wach und tagsüber müde. Meine Schlafenszeit hat sich auf drei Uhr morgens verschoben – genau die Zeit, zu der ich früher aufgestanden bin.


Was ist los mit mir?


Diese Frage stellt sich nicht nur mir. Sie hängt in der Luft, in Gesprächen, in den Blicken von Menschen, die plötzlich langsamer gehen, die innehalten, die nicht mehr so tun, als wäre alles wie immer. Der Körper meldet sich. Die Systeme melden sich. Das, was lange funktioniert hat, tut es nicht mehr selbstverständlich.


Im Mai haben wir geschrieben, dass der Ritt wilder wird. Wir haben gesagt, dass rund um die Sonnenfinsternis im August eine weitere Verdichtung kommt. Dass die Themen – das eigene Licht, das eigene Ja, das eigene Loslassen – klarer und fordernder werden. Dass der Ritt an Intensität zunimmt, nicht weil etwas von außen uns zwingt, sondern weil etwas in uns nicht mehr anders kann, als ehrlicher zu werden. Und dass erst nach der Sonnenfinsternis das neue Licht voll sichtbar wird.


Vieles davon ist eingetroffen. Manches anders, als wir es visioniert haben. Die Hitze ist da. Aber sie fühlt sich nicht nur wie Beschleunigung an. Sie fühlt sich an wie ein Punkt, an dem etwas Unumkehrbares beginnt.


Von nass zu heiß


Sedna war, als sie aus der kalten Tiefe kam, nass. Nass ist schwer. Im Februar lag noch viel Feuchtigkeit auf allem. Die Energie war träge, drückend, schwer zu bewegen. Im Mai war sie wie ein Schwamm – nicht mehr tropfend, aber noch nicht trocken. Die Hitze zeigte erste Wirkung: innere Unruhe, äußere Erschütterungen, das Gefühl, dass etwas in Bewegung gerät, das lange stillgelegen hat. Erdbeben, Unwetter, plötzliche Zusammenbrüche – äußerlich und innerlich.


Jetzt ist Sedna trocken. Und die Erde brennt.


Natürlich brennt die Erde auch durch Brandstiftung, durch menschliches Handeln, durch Systeme, die an ihre Grenzen kommen. Aber es würde auch anders zu brennen beginnen. Seit Juli ist die Hitze spürbar, und inzwischen haben wir einen Grad erreicht, an dem das Metall in der Erde zu glühen und zu schmelzen beginnt. Was fest war, wird weich. Was Form hatte, verliert sie. Alte Eisen, die man im Feuer hatte – Pläne, Rollen, Sicherheiten, Selbstbilder, Beziehungen, Identitäten – beginnen zu verglühen.



Sednas Ritt macht unweigerlich alles heller. Einerseits wird alles beleuchtet: privat und kollektiv. Andererseits wird das, was fest im Leben stand, flüssig. Nichts ist mehr, wie es war.


Wissenschaftlich betrachtet reagieren Körper und Nervensystem auf anhaltende Hitze und Unsicherheit mit spürbaren Veränderungen. Studien zur Hitzebelastung zeigen, dass dauerhaft erhöhte Temperaturen den Schlaf-Wach-Rhythmus stören, die kognitive Leistungsfähigkeit mindern und das autonome Nervensystem in einen Zustand erhöhter Alarmbereitschaft versetzen können. Was viele derzeit als „veränderten Metabolismus“ oder „verschobene Schlafenszeit“ erleben, ist oft die biologische Antwort auf anhaltenden Stress. Der Körper versucht zu überleben, indem er Ressourcen umverteilt. Das ist keine Schwäche. Es ist Anpassung.


Kommen wir gerade Gott näher?  


Die Frage taucht auf, wenn man dem Glühen lange genug zusieht. Nicht als fromme Hoffnung, sondern als nüchterne Möglichkeit. Wenn so viel verbrennt, was nicht mehr trägt, bleibt irgendwann nur noch das übrig, was hitzebeständig ist. Und vielleicht ist das, was hitzebeständig ist, dem Göttlichen näher als das, was wir vorher festgehalten haben.


Licht und Schatten


Alles wird bestrahlt. Was nicht mehr authentisch ist, verbrennt. Gleichzeitig wird sichtbar, was bisher im Schatten lag – persönlich und gesellschaftlich. Die Einladung und die Überforderung liegen dicht beieinander: Man kann sich nicht mehr so leicht verstecken. Die Masken halten der Hitze nicht stand. Die Geschichten, mit denen wir uns und andere beruhigt haben, werden dünn.


In der Psychologie spricht man in solchen Phasen von „Disillusionment“ – der schmerzhaften, aber oft notwendigen Enttäuschung über Bilder, die nicht mehr tragen. Das ist kein Untergang. Es ist ein Klärungsprozess. Wer bereit ist, den Schatten zu sehen, ohne sich sofort davon zu distanzieren, gewinnt etwas, das in stabileren Zeiten oft verborgen bleibt: Nüchternheit.


Die August-Finsternisse



Die totale Sonnenfinsternis am 12. August fiel mitten in diese Hitze. Das zentrale Licht wurde für eine kurze Zeit verdunkelt. Nicht gelöscht, aber verdeckt. In der Astrologie wirkt eine solche Finsternis länger als ein Vollmond. Ein Vollmond ist meist drei Tage vorher und drei Tage nachher spürbar. Eine Sonnenfinsternis setzt Prozesse in Gang, die Wochen und Monate brauchen, um sich zu zeigen. Sie ist kein einzelnes Ereignis, sondern ein Schnitt, der nachwirkt.


Am 28. August folgt die partielle Mondfinsternis. Der emotionale Nachklang. Das, was im Schatten der Sonne sichtbar geworden ist, will dann gefühlt werden.



Was bedeutet es, wenn mitten in der größten Hitze das Licht kurz aussetzt?  

Vielleicht genau das: dass man für einen Moment sieht, ohne geblendet zu sein. Dass das, was im grellen Brand nicht zu erkennen war, im abgedunkelten Zustand Kontur bekommt. Vielleicht wird in diesem Schatten klarer, was wirklich brennt – und was nur Lärm war.


Psychologische Untersuchungen zu kollektiven Ausnahmeerlebnissen (darunter auch Finsternisse) zeigen, dass solche Momente das Gefühl von Verbundenheit und Demut verstärken können. Gleichzeitig können sie bestehende Unsicherheiten verstärken. Beides gehört zusammen.


Kommen wir gerade Gott näher?  

Manchmal fühlt es sich so an, als würde die Verdunkelung uns zwingen, die Quelle des Lichts anders zu suchen. Nicht mehr draußen, nicht mehr in den alten Sicherheiten, sondern tiefer.


Wenn das Wasser zurückkommt


Was die Hitze und das glühende Metall in die Atmosphäre geschickt haben, bleibt nicht oben. Es kondensiert. Es fällt. In welcher Form, wissen wir noch nicht genau. Als Regen, als Tränen, als plötzliche Klarheit nach dem Dampf, als emotionale Bewegung, die nicht mehr aufzuhalten ist, als Erschöpfung, die endlich ehrlich wird. Das Wasser, das zurückkommt, wird das sichtbar machen, was die Hitze freigesetzt hat. Es wird reinigen und überfluten zugleich. Es wird zeigen, wo noch Tragfähigkeit ist und wo nicht.


In der Alchemie galt das Wechselspiel von Feuer und Wasser als zentraler Prozess der Verwandlung. Das Feuer trennt, das Wasser verbindet und reinigt. Beides ist notwendig. Wer nur das Feuer will, verbrennt. Wer nur das Wasser will, ertrinkt in der alten Schwere. Die Kunst liegt im Aushalten beider Bewegungen.


Der Körper als Maßstab


Mein Körper hat mir in den letzten Monaten eine klare Botschaft gegeben: Ich muss ihn so annehmen, lieben und achten, wie er jetzt ist. Nicht wie er früher war, nicht wie er sein sollte. Sonst gibt es wenig Chance auf Heilung. Diese Erkenntnis kommt mit Sedna. Sie kommt aus der Tiefe, und sie ist unbequem. Aber sie ist wahr.


Der Körper ist in dieser Phase der Maßstab. Wer ihn übergeht, verbrennt sich weiter. Wer ihn achtet, hat zumindest die Möglichkeit, den Ritt zu überstehen, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zur Polyvagal-Theorie und zur Stressregulation zeigen, dass Sicherheit im Nervensystem nicht durch Willenskraft entsteht, sondern durch wiederholte Erfahrungen von Achtsamkeit und Mitgefühl gegenüber dem eigenen Zustand. Der Körper braucht keine Motivation. Er braucht Anerkennung.



Die einzige Sicherheit ist die Unsicherheit


Die einzige Sicherheit, die wir jetzt noch haben, ist die Unsicherheit.  

Alles, was früher Halt gegeben hat, ist in Bewegung oder bereits am Glühen. Wie begegnen wir einer Zeit, in der Unsicherheit zur einzigen verlässlichen Größe geworden ist?


Indem wir aufhören, gegen sie anzukämpfen.  

Indem wir den Körper als Maßstab nehmen, auch wenn er sich verändert hat.  

Indem wir bewusst entscheiden, was noch Energie bekommen darf und was verglühen soll.  

Indem wir kleine, wiederholbare Handlungen wählen statt großer Lösungen, die wir ohnehin nicht halten können.  

Indem wir uns erlauben, nicht mehr alles halten zu müssen.


Das ist keine Kapitulation. Es ist eine Form von Nüchternheit, die in dieser Hitze überlebenswichtig wird.


Wie kann man diese Zeit überstehen – und trotzdem in Liebe und Dankbarkeit bleiben?


Hier ein paar konkrete, energiearme Möglichkeiten:


1. Tägliche Körperanerkennung (2–3 Minuten)

Lege eine Hand auf den Brustkorb oder den Bauch. Sage innerlich oder leise: „Ich sehe dich. Du darfst so sein, wie du jetzt bist.“ 

Keine Verbesserung, keine Forderung. Nur Anerkennung. Das reguliert das Nervensystem messbar.


2. Eine Frage am Abend

Bevor du schläfst (oder versuchst zu schlafen), stelle dir nur eine Frage: „Was hat heute trotz allem getragen?“ Nicht „Was war gut?“, sondern „Was hat getragen?“. Das trainiert den Blick für das, was bleibt.


3. Der Verglühen-Zettel  

Schreibe einmal pro Woche auf, was du nicht mehr halten willst oder kannst. Dann verbrenne den Zettel oder zerreiße ihn bewusst. Rituale helfen dem Nervensystem, Abschied zu markieren.


4. Mikro-Dankbarkeit ohne Zwang

Nicht „Ich muss dankbar sein“. Sondern: Finde eine einzige Sache am Tag, für die du tatsächlich einen Funken Dankbarkeit spürst – auch wenn es nur der Umstand ist, dass du noch atmest. Erzwungene Dankbarkeit erzeugt Widerstand. Echte, kleine Dankbarkeit erzeugt Raum.


5. Begrenzte Informationsaufnahme  

Die Hitze wird durch ständige Zufuhr von äußeren Krisen verstärkt. Setze dir klare Zeiten, in denen du Nachrichten aufnimmst – und klare Zeiten, in denen du es nicht tust. Das ist kein Ignorieren. Es ist Schutz der eigenen Regulationsfähigkeit.


6. Verbindung statt Isolation

Auch wenn die Kraft fehlt: Ein kurzer ehrlicher Satz an einen Menschen („Mir geht es gerade schwer, aber ich bin da“) ist oft wirkungsvoller als stundenlanges Alleinsein mit den eigenen Gedanken.


Liebe und Dankbarkeit in dieser Zeit bedeuten nicht, dass man die Hitze schönredet. Sie bedeuten, dass man mitten im Brennen noch einen Rest Zuwendung zu sich und zu anderen aufrechterhält. Das ist keine große spirituelle Leistung. Es ist eine Form von Treue.


Zum Schluss möchte ich die Frage die uns durch diesem Artikel begleitete erweitern:


Wie kommen wir in dieser Phase des Ritts Gott und unserer Kultur näher?


Nicht durch große Visionen und nicht durch lautes Bekennen.

In dieser Phase kommen wir Gott näher, indem wir das Falsche nicht mehr stützen. 

Indem wir aufhören, Dinge zu halten, die nur noch aus Gewohnheit, Angst oder Image existieren. Indem wir dem Körper erlauben, müde zu sein, und der Unsicherheit erlauben, da zu sein. Gott ist in dem, was die Hitze übrig lässt – nicht in dem, was wir vorher festgehalten haben.


Und unserer Kultur kommen wir näher, indem wir aufhören, sie zu retten. 

Eine Kultur, die nur noch auf Leistung, Kontrolle und schönen Bildern steht, verglüht gerade. 

Näher kommen wir ihr, wenn wir ehrlich hinschauen, was wirklich noch trägt: 

einfache Wahrhaftigkeit, körperliche Achtsamkeit, kleine wiederholbare Gesten, und die Bereitschaft, nicht mehr alles zu wissen und zu beherrschen.

Der Ritt bringt uns nicht durch mehr Wissen oder mehr Spiritualität näher. 

Er bringt uns näher durch weniger Lüge – gegenüber uns selbst und gegenüber dem, was um uns herum zerbricht. Das ist der Weg in dieser Phase.


Vielleicht ist genau das der nächste Schritt. Keine komplizierte Spiritualität. Keine großen Systeme und keine Leistungsreligion. Sondern eine, die im Alltag, im Körper und in der Unsicherheit besteht.  

Eine Spiritualität, die nicht mehr verlangt, als das, was in der Hitze noch übrig bleibt: 

Achtsamkeit, Ehrlichkeit und die Bereitschaft, den eigenen Weg zu gehen. Wenns i kann, kanns jeder.


Ausblick bis November 2026


Der größere Bogen reicht weiter als der August.  

Im November 2026 steht der Kontakt von Mondknoten und Pluto bevor – ein Punkt, an dem sich die Richtung der Seelenaufgabe und die Kraft der tiefen Umwandlung begegnen. Die Finsternisse im August sind nicht das Ende. Sie sind ein markanter Einschnitt innerhalb eines längeren Prozesses. Bis dahin wird sich noch manches klären und ordnen müssen. Manches wird verglühen. Manches wird übrig bleiben.



Kommen wir gerade Gott näher?  


Ich weiß es nicht.  

Aber ich merke, dass die Frage nicht mehr theoretisch ist. Sie stellt sich im Alltag, im Körper, in den Beziehungen, in dem, was wir noch bereit sind zu tragen – und in dem, was wir endlich loslassen.


Der Ritt geht weiter.  

Sedna ist trocken. Das Feuerpferd trägt sie. Das Metall schmilzt. Das Wasser wird zurückkommen.


Und irgendwo in dieser Bewegung, zwischen Glühen und Kondensieren, zwischen Verdunkeln und neuem Licht, bleibt die Frage stehen. Nicht als Antwort. Als Richtung.


Wer in dieser Zeit bestehen will, braucht keine großen Visionen. Er braucht die Fähigkeit, den eigenen Körper zu achten, die Unsicherheit nicht zu bekämpfen und in kleinen, wiederholbaren Gesten bei sich und bei dem zu bleiben, was noch wahr ist.


Das genügt.  

Mehr ist in dieser Hitze oft nicht möglich.  

Und genau das kann genug sein.


Herzliche Grüße,


Euer Wanderer zwischen den Welten


Harald 🙏🎈👣🙏

 

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