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🌌 Die Geschichte des Jakobsweges

Aktualisiert: 15. Jan.

Teil 2 - Als der Adler landete (200 v. Chr.)


Die Landung des Adlers auf der Iberischen Halbinsel
Die Landung des Adlers auf der Iberischen Halbinsel

Vom Sternenweg zur «Via Militaris» oder wie Roms Gier nach Silber die heiligen Pfade fĂŒr immer verĂ€nderte.


Stell dir vor, du stehst auf einem HĂŒgel in der staubigen Hitze der Meseta. Es ist das Jahr 200 vor Christus. Unter dir liegt der Pfad, den deine Vorfahren seit Generationen gegangen sind – der „Sternenweg“, der der Milchstraße nach Westen folgt, zum Ende der Welt («Finis Terrae»).

 

Es war ein Pfad der Stille, der Druiden und der Suche nach Antworten. Doch heute bebt die Erde. Nicht vor Ehrfurcht, sondern unter dem Gleichschritt tausender eisenbeschlagener Sandalen («Caligae»). Du siehst keine Pilger mit StÀben mehr. Du siehst die Legionen Roms. Der Staub, den sie aufwirbeln, riecht nicht nach Erde, sondern nach Krieg und Metall.

 

Willkommen in «Hispania». Willkommen im zweiten Kapitel unserer Geschichte, in dem die SpiritualitÀt der Logistik weichen musste.

 

⚔ Der Bruch – Das Ende der Unschuld des Sternenweges


Im ersten Teil haben wir gesehen, wie der Weg eine spirituelle Nabelschnur war, die den Menschen mit dem Universum verband. Doch um 200 v. Chr., kurz nach dem verheerenden Zweiten Punischen Krieg, Ànderte sich alles.

Die «Punischen Kriege (264–146 v. Chr.)» waren der entscheidende Wendepunkt, der die Iberische Halbinsel aus dem Einflussbereich Karthagos riss und in das Römische Reich integrierte:


1. Punischer Krieg (264–241 v. Chr.)    

Rom siegt ĂŒber Karthago im Kampf um Sizilien. Karthago sucht in Spanien Ersatz fĂŒr verlorene Ressourcen (v. a. Silber).


2. Punischer Krieg (218–201 v. Chr.)    

Hannibal marschiert ĂŒber die PyrenĂ€en. Der römische Feldherr «Scipio Africanus» landet in Spanien und vertreibt die Karthager schließlich komplett.


3. Punischer Krieg (149–146 v. Chr.)     

Die endgĂŒltige Zerstörung Karthagos. Spanien ist nun fest in römischer Hand.

 

Rom kam nicht als Tourist, sondern als GlĂ€ubiger. Der Krieg gegen Hannibal hatte die Staatskassen geleert. Hispania hatte das, was Rom brauchte, «Silber». Die Minen von «Cartago Nova» (Cartagena) und im SĂŒdwesten wurden zur Hauptschlagader des römischen Wirtschaftsmotors.

 

 

đŸ›ïžÂ Die Romanisierung - Infrastruktur der Macht


Sklavenmarkt in Astorga
Sklavenmarkt in Astorga

Durch den Sieg begann die «Romanisierung», die das Fundament fĂŒr den heutigen Camino legte. Rom baute StĂ€dte wie «Italica» (Sevilla), «Asturica Augusta» (Astorga) und «Lucus Augusti» (Lugo) – heute zentrale Stationen fĂŒr Millionen von Pilgern.

Die Transformation des «Sternenwegs» Die Kelten und Iberer nutzten uralte Pfade nach dem Stand der Sterne. Rom baute diese zu strategischen «Viae» aus.



Die «Vía de la Plata»     

UrsprĂŒnglich ein Truppenweg von SĂŒd nach Nord, um widerspenstige StĂ€mme in Galicien zu unterwerfen. SpĂ€ter die Lebensader fĂŒr Metalltransporte.


Die «Via Augusta»         

Die lĂ€ngste Römerstraße Hispaniens. Teile des heutigen «Camino FrancĂ©s» nutzen exakt diese antike Trasse.

 

Interessanter Fakt        

Ohne den römischen Sieg wÀre Galicien wohl phönizisch-karthagisch geblieben. Die römische Infrastruktur war die notwendige "Hardware", auf der das mittelalterliche Pilgerwesen erst entstehen konnte.

 

đŸ—ïžÂ Die Ingenieurskunst der Unterwerfung


Römische Ingenieurskunst
Römische Ingenieurskunst

Warum ist der moderne Jakobsweg in der Meseta oft so zermĂŒrbend gerade?

Das ist das römische Erbe. Die Armee hasste Umwege; Zeit war ein strategischer Faktor.


Begradigung                   

Sie schnitten durch heilige WĂ€lder und sprengten Felsen weg, die seit Jahrhunderten verehrt wurden.


Pflasterung                     

Der weiche Erdboden wurde durch harten, wetterfesten Steinbau ersetzt – unerbittlich fĂŒr die FĂŒĂŸe.


Meilensteine («Miliaria»)            

Alle 1.480 Meter (eine römische Meile) setzten sie massive SteinsÀulen. Darauf stand kein Gebet, sondern Propaganda: «Du gehst hier nicht unter den Sternen. Du gehst auf römischem Boden».



👣 Wer wanderte zu dieser Zeit den „Camino“?


Vergiss den einsamen Wanderer auf Selbstfindungssuche. Damals herrschte hierarchisches Treiben.


1. Die LegionÀre            

Die „Maultiere des Marius“ mit 30kg GepĂ€ck. Sie bauten Straßen statt Steinhaufen fĂŒr Götter.


2. HÀndler & SteuerpÀchter     

Sie brachten Wein und Öl aus Italien und exportierten Silber, Sklaven und Fischsauce «Garum».

  

3. Die Sklaven

Keltiberische Kriegsgefangene, die in Ketten zu den Minen getrieben wurden. FĂŒr sie war der Weg ein Pfad des Leidens.


Die Sicht des Pilgers


Konnten Druiden den Weg noch gehen?

Es war ein schmerzhafter Kompromiss. Rom assimilierte die Götter («Interpretatio Romana»). Wer frĂŒher im Rhythmus der Natur nach Westen zog, musste nun römischen Wachposten erklĂ€ren, warum er ohne Waren unterwegs war. Die SpiritualitĂ€t wurde in den Untergrund oder die abgelegenen Winkel Galiciens gedrĂ€ngt.

 





đŸȘ™Â Götter im Wandel – Der «transactional» Glaube


An Wegkreuzungen ersetzte «Merkur» (Gott des Handels) die alten Geister. Der Glaube wurde «transactional» (geschĂ€ftsmĂ€ĂŸig):

«Ich opfere dir, Merkur, damit meine Silberlieferung sicher ankommt».


Der Votiv-Vertrag – Wenn Steine sprechen

In Museen wie Astorga oder Leon findet man Weihesteine mit der Formel «V.S.L.M.» («Votum Solvit Libens Merito» – «Er hat sein GelĂŒbde gern und nach GebĂŒhr eingelöst».


Beispiel Astorga                         

Ein HĂ€ndler verspricht Merkur einen Altar fĂŒr eine sichere Meseta-Überquerung.


Beispiel «VĂ­a de la Plata» Soldaten opfern Jupiter fĂŒr militĂ€rische StabilitĂ€t.


Beispiel Galicien Der Gott Lugh wurde zum römischen Handwerkergott umgedeutet – eine spirituelle Übernahme durch Architektur.


Der Gott wurde zum GeschĂ€ftspartner. Die Ankunft war kein Geschenk des Himmels mehr, sondern die ErfĂŒllung einer vertraglichen Leistung.


🔚 Konklusio – Die Hardware des Heiligen


Ira Flavia
Ira Flavia

Die Römer brachten Zivilisation, Recht und Architektur nach Spanien. Sie bauten die BrĂŒcken, ĂŒber die wir heute noch gehen (wie die Puente Romano in Salamanca). Aber sie nahmen dem Weg seine Unschuld. Sie verwandelten einen Pfad der Seele in ein Werkzeug der Kontrolle und des Profits. Ohne die römische "Hardware" – die befestigten Straßen und gesicherten Versorgungsstationen – hĂ€tte das christliche Pilgerwesen des Mittelalters jedoch niemals diese Massen bewegen können.

 

Meine spirituelle Meinung als Pilger


"Santiago" zu dieser Zeit
"Santiago" zu dieser Zeit

Wenn du heute auf dem Camino lĂ€ufst und deine FĂŒĂŸe auf dem harten römischen Pflaster brennen, dann spĂŒrst du die «Narben der Geschichte». Es ist eine bittere Ironie. Die Gier nach Silber schuf die Trasse fĂŒr die Suche nach Gott. Doch Rom hat eines nicht geschafft, trotz der geraden Straßen und der Meilensteine hörten die Menschen nie auf, nach Westen zu gehen, um die Sonne im Meer sterben zu sehen.



Die Infrastruktur wurde römisch, aber die Sehnsucht blieb menschlich. Der «Call of the Wild», der Ruf der Sterne, ĂŒberlebte unter dem Pflasterstein. Wir laufen heute auf den Straßen der Eroberer, um die Freiheit der Entdecker wiederzufinden.

 

Bemerkung


Dieser Artikel ist Teil einer Serie, die die wahren, oft rauen Wurzeln des Jakobsweges beleuchtet. Geschrieben von einem Pilger, der weiß, dass jeder Stein auf dem seine Geschichte erzĂ€hlt.


Vorschau auf Teil 3

Der Adler stĂŒrzt ab. Das Römische Reich zerfĂ€llt, und in den WĂ€ldern Galiciens entdeckt ein Einsiedler ein Licht auf einem Feld. Ein Grab wird gefunden, und der Name «Santiago» wird die Welt aus den Angeln heben.

 

🔍 Historische Spuren & WeiterfĂŒhrende Recherche


Die Route                    Die «Vía Augusta» und die römischen Abschnitte des «Camino Francés».

Das Silber                       Die Minen von «Las Médulas» (Leon).

Ein Bild der Zerstörung der Natur durch Gier. [(https://www.youtube.com/watch?v=lH6jNO2ZwkY)]

Der Konflikt                     Der «Keltiberische Krieg» und der Fall von Numantia (133 v. Chr.).

Artefakte. Suche nach «Römischen Meilensteinen» (Miliarios) an der Vía de la Plata.


Dein Wanderer zwischen den Welten,


Herzlich Harald🙏👣🎈🙏



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