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Die Lüge der Effizienz


Warum ich lieber 3.000 Kilometer Schmerzen ertrage, als ein einziges Mal an einem Passwort zu scheitern!


Ein Essay über den Verlust der Bodenhaftung, die Arroganz der Konzerne und wie wir uns die Kontrolle zurückholen.


Heute Morgen blinkte mein Handy auf. Ein Samsung-Dienst namens „NOW Brief“ wollte mir meinen Tag erklären. Er wollte mir „smart“ zusammenfassen, was wichtig ist. Ich habe nicht darum gebeten. Es ist nur eine weitere Funktion in einer Welt, die behauptet, uns das Leben leichter zu machen, uns aber in Wahrheit immer brutaler in die Enge treibt.


Ich blicke auf meine Hände. Es sind dieselben Hände, die Wanderstöcke umklammert haben, monatelang. Ich blicke auf meine Füße. Es sind dieselben Füße, die mich kilometerweit getragen haben. Über die Alpen, durch die Schweiz, quer durch Frankreich und Spanien. Ich weiß, was Anstrengung ist. Ich weiß, was Schmerz ist. Aber ich weiß auch, was echte «Wirkung» ist. Und wenn ich heute auf die eingefrorenen Bildschirme, die bockigen Drohnen und die arroganten Steuerportale blicke, dann sehe ich keine Erleichterung. Ich sehe eine Welt, die ihre Menschlichkeit, ihre Logik und vor allem ihre Effizienz verloren hat. Es ist Zeit für eine Abrechnung.

 

Der ehrliche Berg vs. Der digitale Witz

 

Lassen Sie mich Sie kurz mitnehmen. Zurück ins Jahr 2021. Wir sind in Frankreich. Es ist eine dieser Etappen, die man nicht vergisst, auch wenn man sie am liebsten streichen würde.

 

Es geht bergauf. Und wenn man denkt, man ist oben, geht es wieder bergab, nur um im nächsten Tal sofort wieder steil anzusteigen. Die Sonne brennt gnadenlos. Der Rucksack drückt mit einem Gewicht, das sich im Laufe des Tages zu verdoppeln scheint. Meine Waden sind hart wie Stein, jeder Muskel droht zu bersten. Ich keuche, ich schnaufe, der Schweiß brennt in den Augen.


In diesem Moment gibt es nur mich, den Schotter unter den Sohlen und den nächsten Atemzug. Es ist brutal. Aber es ist ehrlich.

 

Ich schaue nach oben und sehe den Pass. Ich weiß, wenn ich jetzt einen Fuß vor den anderen setze, komme ich diesem Ziel einen halben Meter näher. Es liegt allein an mir. Es ist ein physikalischer Pakt zwischen mir und der Welt. Investiere Kraft, und ich werde belohnt. Wenn ich oben ankomme, völlig fertig, aber glücklich, dann ist das mein Sieg. Ich habe ihn mir verdient. Ich spüre mich. Ich bin lebendig.

 

Schnitt. November 2025. Mein Arbeitszimmer.

 

Vor mir liegt die DJI Neo. Ein Wunderwerk der Technik, sagt die Werbung. Ich will sie einfach nur fliegen lassen. Ein kurzer Moment der Freude, vielleicht eine schöne Aufnahme.

Aber ich komme nicht dazu. Der Nachmittag, der eigentlich kreativ sein sollte, verwandelt sich in eine Farce. Die Anmeldung scheitert. Die App verlangt Updates. Die Produktbeschreibung? Existiert faktisch nicht. Die Firma ist nicht mehr in der Lage – oder zu geizig –, mir zu erklären, wie ihr Produkt funktioniert.

 

Ich sitze da, der Puls steigt, aber nicht vor Anstrengung, sondern vor Wut. Ich bin nicht erschöpft, weil ich etwas geleistet habe, sondern weil ich gegen Windmühlen kämpfe.

Schließlich muss ich eine künstliche Intelligenz fragen, wie ich dieses Stück Plastik und Silizium in die Luft bekomme. Ohne die KI wäre ich gescheitert.

 

Sehen Sie den Unterschied?


In Frankreich, am Berg, litt ich, aber ich war mächtig. Ich war der Akteur. Hier, im „smarten“ Zuhause, bin ich ohnmächtig. Ich bin ausgeliefert. Ein Server in China oder den USA entscheidet, ob ich heute „mitspielen“ darf oder nicht. Das ist nicht smart. Das ist Entmündigung.

 

Die Effizienz-Lüge – oder, warum wir die unbezahlten Mitarbeiter sind

 

Wir bekommen ständig erzählt, die Digitalisierung mache alles effizienter. Das stimmt sogar. Aber die Frage, die niemand stellt, lautet: Effizient für wen?

 

Die bittere Wahrheit ist: Die „smarte Welt“ ist nicht darauf ausgelegt, unsere Zeit zu sparen. Sie ist darauf optimiert, Kosten für Konzerne zu senken und Arbeit auf uns Nutzer abzuwälzen. Das nennt man in der Soziologie „Schattenarbeit“.

 

Beispiel 1: Das Google-Paradoxon


Noch zynischer wird es, wenn es ums Geld geht. Ich schalte Werbung auf Google, um mein Buch sichtbar zu machen. Die Antwort des Systems? „Sei geduldig. Der Algorithmus muss erst drei Wochen lernen.“

Lassen wir uns das auf der Zunge zergehen. Ich bezahle Geld dafür, dass deren künstliche Intelligenz an meinem Produkt übt. In diesen drei Wochen verbrenne ich Budget, ohne Garantie auf Erfolg. Das System ist hocheffizient darin, mein Geld einzusammeln, aber absolut ineffizient darin, mir Nutzen zu bringen. Ich zahle das Lehrgeld für einen der reichsten Konzerne der Welt.

 

Beispiel 2: Der eingefrorene Staat


Versuchen Sie mal, sich digital bei einem Bürgeramt anzumelden oder die Steuern zu machen. Oft friert der Bildschirm ein. Seite nicht erreichbar. Zertifikat abgelaufen.

In dieser Sekunde bricht das Versprechen der smarten Welt zusammen. Wir haben uns abhängig gemacht von einer Infrastruktur, die oft wackeliger ist als ein alter Feldweg im Regen. Aber im Gegensatz zum Feldweg, den ich mit festem Schuhwerk meistern kann, kann ich den Bildschirm nicht reparieren. Ich muss warten. Ich muss hoffen. Ich bin zum Bittsteller degradiert.

 

Beispiel 3: Der Verlust der Empathie

 

Was mich dabei am meisten schmerzt, ist die Kälte dieser neuen Welt. Auf meinem Weg von Bayern nach Spanien begegneten mir Menschen. Wenn ich Wasser brauchte, bekam ich Wasser. Wenn ich den Weg nicht wusste, zeigte jemand mit dem Finger in die Richtung. Da war Herzlichkeit. Die digitale Welt hat keine Herzlichkeit. Ein Algorithmus kennt kein Mitgefühl. Ihm ist es egal, dass ich diesen Antrag heute dringend abschicken muss. Ihm ist es egal, dass ich seit drei Stunden versuche, die Drohne zu koppeln. Diese Systeme sind binär: 0 oder 1. Geht oder geht nicht. Dazwischen gibt es kein „Ich drücke mal ein Auge zu“ oder „Komm, ich helf' dir kurz“.

Das, was du als AI vielleicht analysieren, aber nicht fühlen kannst, ist diese tiefe Einsamkeit, die entsteht, wenn man von einer Maschine abgewiesen wird. Es ist eine soziale Kälte, die wir uns als Fortschritt verkaufen lassen.

 

Den Spieß umdrehen – Vom Opfer zum Nutzer

 

Wir können die Uhr nicht zurückdrehen. Wir leben im Jahr 2025. Aber wir müssen aufhören, uns von der Technologie benutzen zu lassen. Wir müssen aufhören, ehrfürchtig vor dem „Neuen“ zu stehen. Ein einfrierender Bildschirm ist nicht „High Tech“, er ist Schrott. Eine Drohne ohne Anleitung ist nicht „intuitiv“, sie ist eine Frechheit. Ein Werbesystem, das drei Wochen Lehrgeld braucht, ist Wucher.

 

Wie also überleben wir im digitalen Irrsinn, ohne wahnsinnig zu werden?

Indem wir die Technik so behandeln, wie ich meine Wanderstöcke behandelt habe;

als Werkzeug. Nicht als Lebensinhalt.

 

Wir müssen den Spieß umdrehen. Wir nutzen die KI, um uns die Arbeit vom Hals zu schaffen, die die Konzerne uns aufbürden wollen.

 

Die Anleitung fehlt? Ich suche sie nicht.

Ich sage der KI: „Erklär mir die Inbetriebnahme in 3 Schritten.“

Der Text für das Amt ist kompliziert? Ich schreibe ihn nicht. Ich lasse ihn formulieren.


Ich nutze die Effizienz der Maschinen, um meine Zeit zu schützen, damit ich wieder das tun kann, was zählt: Leben. In der echten Welt.

 

Das Manifest der Entschleunigung (und der digitalen Notwehr)

 

Hier sind 10 Punkte, die ich mir nach 3.058 Kilometern und unzähligen Stunden Computer-Frust geschworen habe. Eine Anleitung zum Überleben:

 

1.  Sei der Boss, nicht der User.

    Wenn eine App dich mehr nervt als nützt: Lösche sie. Sofort. Du schuldest der

Software keine Treue.


2.  Kein „Smart“ ohne „Heart“.

    Verlasse dich bei wichtigen Dingen nicht auf Algorithmen. Ruf an. Triff Menschen. Das

analoge Netz ist das einzige, das bei Stromausfall noch hält.


3.  Die 15-Minuten-Regel.

    Wenn ein technisches Gerät (Drohne, Drucker, Router) nicht innerhalb von 15 Minuten

funktioniert: Leg es weg. Geh raus. Lass dir den Tag nicht von schlecht programmierter

Software ruinieren. Das Problem liegt beim Hersteller, nicht bei dir.


4.  Verweigere die ständige Erreichbarkeit (NOW).

    Schalte Funktionen wie „Samsung Brief“ oder Push-Nachrichten ab. Dein Leben muss

nicht „gebrieft“ werden wie eine Militäroperation. Es muss gelebt werden.


5.  Fordere Wahrheit.

    Gib dich nicht mit Marketing-Sprech zufrieden. Suche nach echten Antworten. Nutze

KI, um Fakten zu prüfen, nicht um dich berieseln zu lassen.


6.  Bezahle nicht für das Lernen der anderen.

    Sei skeptisch bei Systemen (wie Google Ads), die dein Geld brauchen, um „schlau“ zu

werden. Suche nach Alternativen, wo Leistung direkt bezahlt wird.


7.  Wahre die Bodenhaftung.

    Geh jeden Tag mindestens eine Strecke zu Fuß, bei der du schwitzt. Spüre die

Kausalität: Schritt = Weg. Das heilt die Seele von der Willkür des Digitalen.


8.  Papier ist geduldig (und stürzt nicht ab).

    Schreibe wichtige Dinge auf echtes Papier. Plane dein Buch analog. Ein Notizbuch

braucht kein Update und hat keinen leeren Akku.


9.  Nutze KI als Schutzschild.

    Lass die KI die nervige Bürokratie erledigen. Nutze die „Waffe“ der Digitalisierung, um

dir Freiraum für das Analoge zu schaffen.


10. Vergiss nie

    Du bist Teil der Natur, nicht Teil der Cloud. Die Römer waren da, die Pilger waren da.

Die „smarte Welt“ ist nur ein Wimpernschlag in der Geschichte.

 

Wir sind Reisende auf einem Sternenweg, der Jahrtausende alt ist. Lassen wir uns von blinkenden nicht natürlichen Lichtern nicht vom Weg abbringen. Nutzen wir sie als Taschenlampe, wenn es dunkel wird – aber vergessen wir nie:


Das Ziel erreichen wir nur mit unseren eigenen Füßen.


Dein Wanderer zwischen den Welten.


Herzlich Harald🙏👣🎈🙏


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